aktualisiert am Donnerstag, 29 Juli, 2010

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05.06.2010 | BUND

Resolution des Wissenschaftlichen Beirats
des
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
zur Flusslandschaft Elbe und Saale

Dessau, 5. Juni

Der Wissenschaftliche Beirat des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND) fordert den Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer auf, die nicht zielführenden Baumaßnahmen zur Vertiefung der Elbe und die Planungen für den Saaleausbau zu stoppen.

Seit Jahren werden durch Schüttung von hunderttausenden Tonnen Steinen die Ufer der Elbe immer extremer verbaut und vertieft, doch es werden immer weniger Güter über die Elbe transportiert. Auf der Saale finden seit vier Jahren praktisch keine Gütertransporte mehr statt. Daran wird auch der für den Transport von Massengütern geplante Kanal an der Saale nichts ändern.

Begründung:

Die Elbe ist ein Fluss mit schwankenden Wasserständen.
Die Elbe führt monatelang Niedrigwasser. Dagegen sind auf der Saale Transporte von Massengütern vorgesehen, die eine Wassertiefe von 2,50 Meter benötigen, um rentabel zu sein. Die Elbe hingegen, durch die die Schiffe fahren müssen, verfügt über diese Tiefen im Durchschnitt an nur etwa 110 Tagen im Jahr. Mit anderen Worten: An 250 Tagen im Jahr können die Transporte nicht wirtschaftlich abgewickelt werden.

Transportierende Wirtschaft braucht Verlässlichkeit.
Es ist absehbar, dass auch nach dem Bau des Saale-Elbe-Kanals keine erhebliche Steigerung der Gütertransporte erfolgen wird, da die Wirtschaft ganzjährige und verlässliche Transportmöglichkeiten benötigt. Die Elbe, durch die die von der Saale kommenden Schiffe fahren müssen, bietet diese Möglichkeiten aber nicht. Mit den Saaleanliegern vergleichbare Unternehmen an der Elbe, wie z.B. Kieswerke oder Geteideverarbeiter, nutzen die Elbe als Verkehrsweg nicht.

Elbetransporte erreichen historisches Tief – trotz Millioneninvestitionen
Auf der Elbe werden auf Grund von oft Monate lang anhaltenden Niedrigwasserperioden immer weniger Güter transportiert, obwohl die Befahrbarkeit in den vergangenen Jahren immer wieder verbessert wurde. Das Transportaufkommen ist auf einen historischen Tiefststand von unter 1 Mio. Tonnen pro Jahr gefallen, trotz jährlichem Mittelaufwand von 40 Mio. Euro. Angesichts des hoch verschuldeten Bundeshaushalts sollten die Unterhaltungsmaßnahmen sowie jegliche Ausbaupläne zurückgenommen werden.

UNESCO Welterbe Dessau-Wörlitzer Gartenreich und Biosphärenreservat sind von Austrocknung bedroht
An der Elbe wird seit Anfang der 1990er Jahre massiv gebaut. Der Fluss wird verengt und soll dadurch vertieft werden. In der Folge gräbt sich der Fluss immer tiefer in sein Bett. Die Auen des UNSECO Biosphärenreservats und UNESCO Dessau-Wörlitzer Gartenreich drohen auszutrocknen. Eine Analyse, den Nutzen mit den Kosten der Baumaßnahmen und den Folgekosten der Schädigung dieser einmaligen Flusslandschaft vergleicht, fehlt völlig.

Wissenschaftliche Institute zweifeln am Nutzen vom Ausbau der Saale und Elbe.
Vor dem Hintergrund des Klimawandels werden die Wirtschaftlichkeit und die Sinnhaftigkeit dieses Kanalbaus und auch die Baumaßnahmen an der Elbe von zahlreichen Wissenschaftlern und Instituten angezweifelt. Dazu gehören das Helmholtz Zentrum Leipzig, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle, Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, Umweltbundesamt.

Die Schiene verfügt noch über freie Kapazitäten
Als Argumente für den Kanal wird die Unzulänglichkeit der Bahn angeführt. Doch anstelle eine weitere große Fehlinvestition in Form eines Kanals zu tätigen, könnten die Unternehmen an der Saale unterstützt werden, ihre Probleme mit der Bahn zu lösen. Die  Anbindung an die Schiene könnte verbessert und vorhandene Gleise erhalten werden. Diese Lösung ist zudem billiger, schneller realisierbar und umweltschonender.

 

Der BUND setzt sich seit der Wiedervereinigung für den Erhalt der frei fließenden Elbe ein. Die Elbe ist der letzte große naturnahe Fluss, den wir in Deutschland noch haben. Sie zählt zum europäischen Naturerbe und gehört auf 400 Km Länge zum UNESCO-Biosphärenreservat „Flusslandschaft Elbe“ sowie auf einer Länge von 43 Kilometern zum UNESCO-Weltkulturerbe „Dessau-Wörlitzer Gartenreich“. Der Ausbau der Saale würde den Ausbaudruck auf die Elbe erheblich erhöhen. Daher setzt sich der Wissenschaftliche Beirat gegen den geplanten Kanal an der Saale ein und für den Erhalt der Flusslandschaft Elbe.

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