22. Juni 2009
Mühlberg Anwohner der Elbe sind am Wochenende in Mühlberg zum 2. Elbekirchentag zusammengekommen. Bei der von der katholischen und der evangelischen Kirche getragenen Veranstaltung wurden ein schonender Umgang mit der Elbe und der Erhalt der natürlichen Flusslandschaft angemahnt. Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender der Naturschutzorganisation BUND, warnte in seiner Rede vor dem Ausbau des Flusses in Mühlberg.
Es war viel los rund um die Klosterkirche. Unter dem Motto „Ein-Fluss verbindet“ waren große und kleine Elbbewohner nach Mühlberg gekommen.
„Wir alle sind oft in Versuchung zu denken: Auf mich kommt es doch nicht an“, sagte Pater Ansgar Schmidt von Mühlbergs katholischer Gemeinde zur Eröffnung des Elbekirchentages, der gleichzeitig der Kreiskirchentag des Kirchenkreises Bad Liebenwerda war, am Sonnabend in der Klosterkirche. „Heute laden wir Sie ein, dieser Versuchung zu widerstehen.“ Dass sich die Menschen, die aus Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Sachsen ins südbrandenburgische Mühlberg gereist waren, dieser Einladung nicht entziehen würden, stand da eigentlich schon fest. „Unsere Erfahrung ist es, dass ein Fluss wirklich verbindet“, erklärte Kerstin Höpner-Miech, Pfarrerin der evangelischen Gemeinde, mit Bezug auf das Motto der zweitägigen Veranstaltung. Verbunden fühlten sich die Anwesenden vor allem in ihrem Bemühen, die Schöpfung zu bewahren und den Fluss in seiner natürlichen Form zu erhalten.
Die Kirchen scheinen mehr und mehr zum Träger des Gedankens zu werden, dass die Elbe als einer der letzten großen naturnahen Flüsse vor Ausbau und Veränderung bewahrt bleiben muss. So sagte Jörg Göpfert, Studienleiter bei der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt, dass sich seine Einrichtung lange Zeit zurückgehalten habe, einen Standpunkt über den Umgang mit der Elbe zu formulieren. Man habe ein unparteiisches Forum bieten wollen, auf dem unterschiedliche Meinungen zu der Problematik ausgetauscht werden konnten. Inzwischen sei man der Auffassung, dass alle Argumente hinreichend ausgetauscht sind. Nun habe man zugunsten der Verfechter einer natürlichen Elbe Position bezogen.
Für Brandenburgs Kultusministerin Prof. Johanna Wanka (CDU) sind es gerade die Kirchen, die in der Gesellschaft zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt beitragen und die Menschen von dem, was aus wissenschaftlichen Untersuchungen bekannt sei, überzeugen können. Denn sie seien eine moralische Instanz, die große Glaubwürdigkeit besäße. Die Ministerin erinnerte an die Flutkatastrophe von 2002, von dem sie persönlich betroffen gewesen war: Wanka stammt aus Rosenfeld bei Torgau, das 2002 wie Mühlberg ebenfalls nur knapp der Überflutung entkam.
Am Umgang mit der Elbe zeigt sich, wie zukunftsfähig Deutschland ist – so zumindest sieht es Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND. Der Naturschützer bezeichnete die Elbe als letzten großen Fluss Deutschlands, der in weiten Teilen noch ungestaut und nicht kanalisiert ist. Daraus resultiere seine Bedeutung als natürlicher Lebensraum und maßgeblicher Bestandteil einer wertvollen Kulturlandschaft, die sich in der Ausweisung zahlreicher Schutzgebiete internationalen Rangs manifestiere.
„Als Wasserstraße ist die Elbe demgegenüber nahezu bedeutungslos“, verdeutlichte Weiger. Lediglich 0,4 Prozent der binnendeutschen Schiffstransporte seien auf der Elbe zu verzeichnen – Tendenz sinkend. Ohne Weiteres wäre die Bahn in der Lage, diese Frachtmengen zu übernehmen. „Dennoch sehen wir überall an der Elbe Instandsetzungsmaßnahmen, die großen Schaden anrichten“, so der BUND-Vorsitzende. Nicht nur für die Lebensräume an der Elbe, auch auf den Grundwasserhaushalt wirke sich der Ausbau negativ aus. Fakt sei, dass die als nötig erachtete Fahrrinnentiefe der Elbe aufgrund von Niedrigwasser von 1,6 Meter immer seltener vorhanden sei und infolge des Klimawandels noch seltener werde. Politisch gebe es jedoch weiterhin Bestrebungen, die Elbe als Wasserstraße auszubauen.
Als Dilemma bezeichnete es Pfarrerin Höpner-Miech, dass der gewünschte Hafenausbau in Mühlberg nur bei verbindlichen Zusagen mehrerer Unternehmen, hier Güter umzuschlagen, finanziert werden soll. Denn während der Transport von Rotorblättern des Windanlagenherstellers Vestas bei niedrigen Wasserständen möglich sei, wäre dies bei anderen Gütern nicht der Fall. Das würde bedeuten, dass doch ein Ausbau erforderlich werden würde. Weiger antwortete, dass sich Politik und Verwaltung von genormten Lösungen verabschieden müssten. „Wir brauchen flexible Handlungsmöglichkeiten und keine technokratischen Vorgaben“, sagte der BUND-Vorsitzende.
Es sei wichtig, dass die Befürworter einer natürlichen Elbe weiterhin auf ihr Anliegen aufmerksam machen, damit auch die Politik einer Versuchung widersteht: Nämlich, auf Kosten der Elbe in Aktionismus zu verfallen, der vorgibt, etwas für die Entwicklung Ostdeutschlands zu tun, aber alles andere als nachhaltig sei. Noch lange wurde im Anschluss über das Thema diskutiert. Dabei gab sich auch ein Vertreter der Vestas zu erkennen, der dem Vortrag beigewohnt hatte und mehrere individuelle Gespräche suchte.
Mit rund 800 Besuchern an den beiden Tagen war der Elbekirchentag laut Pfarrerin Höpner-Miech für eine themengerichtete Veranstaltung sehr gut besucht. Sie hielt das Interesse der Elbbewohner für ein grandioses Zeichen in Richtung Politik, den Elbausbau nicht weiter anzutreiben.
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