Wittenberge, 11. Mai 2009 | BUND-Pressemitteilung
Niedrigwasser der Elbe lässt rentablen Güterverkehr nicht zu – Ausbaggern hilft nicht, wenn das nötige Wasser fehlt
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßt Investitionen, die zur Förderung der regionalen Wirtschaft führen und nachhaltig umweltverträgliche Arbeitsplätze schaffen. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es gründlicher Planungen und Berechnungen auf aktueller Datenbasis ebenso wie der Öffentlichkeitsbeteiligung, um Fehlern vorzubeugen.
„Beim geplanten Ausbau eines neuen Hafens in Wittenberge haben wir Zweifel, ob das Ziel des Konjunkturpakets, einen wirtschaftlichen Aufschwung zu bewirken, damit erreicht werden kann“, so der Leiter des BUND-Elbeprojektes, Ernst Paul Dörfler.
Für den vorgesehenen dreilagigen Containerverkehr wird nach Auskunft des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg eine Mindesttiefe von zwei Metern benötigt. Nach amtlichen Daten liegt die Fahrrinnentiefe der Elbe bei Wittenberge im Durchschnitt über sechs Monate im Jahr unter zwei Metern. Selbst ein nur zweilagiger Containerverkehr mit einer erforderlichen Fahrrinnentiefe von 1,60 m ist über fast vier Monate im Jahr nicht möglich. Für Massenguttransporte ist eine Fahrrinnentiefe von 2,50 m nötig, sie ist aber über 8-9 Monate im Jahr nicht vorhanden.
Beispiele über Hafenfehlinvestitionen gibt es genug: Im Hafen Halle an der Saale hat über drei Jahre lang kein Schiff festgemacht. Die Güter werden aus dem Hafen per Ganzzug zu den Nordseehäfen verbracht. Im Hafen Schwedt an der Oder herrscht meist Totenstille. Die Häfen an der Oberelbe schlagen ihre Container zu 90% über die Schiene um, die Hafenbecken sind meist leer. „Die Wasserstraße Elbe ist nicht planbar, deshalb wird über die Schiene statt übers Wasser transportiert“, so die Pressesprecherin Diana Lang von den Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe (Sächsische Zeitung, 7. April 2006). In den Elbe-Häfen von Dresden bis Rosslau wird kaum noch über Kaikante umgeschlagen. Im Gegensatz dazu stehen die Häfen mit Anschluss an den Mittellandkanal, wie Magdeburg und Haldensleben. Bei einer konstanten Wassertiefe von 4 Metern und lassen ganzjährig Ladungsmengen von über 1000 Tonnen bewegen.
Die Planung des Hafens Wittenberge geht nach Ansicht des BUND von zwei falschen Annahmen der Gutachter aus:
1.
Die Niedrigwasserproblematik der Elbe wird unterschätzt
2.
Die Ladungstonnen und der Auslastungsgrad der Schiffe werden überschätzt.
Die (wenigen verbliebenen) Schiffe auf der Elbe haben nach amtlichen Daten im Schnitt nur 300 Tonnen geladen. Mehr ist auf der Elbe mit ihren Niedrigwasserperioden – oft schon im Mai beginnend und häufig bis Jahresende anhaltend - nicht drin. Den Planungen für den Hafen Wittenberge zufolge werden jedoch Ladungsmengen von durchschnittlich 975 Tonnen pro Schiff an 330 Tagen zugrunde gelegt. Diese Schiffe würden über lange Zeiten des Jahres allerdings auf Grund laufen (Grafik Ladungstonnen Wittenberge).
Ähnlich verhält es sich mit dem Auslastungsgrad der Schiffe. Bei der Hafenplanung Wittenberge geht man von Auslastungen in Höhe von 75%-85% aus. Nach amtlichen Daten sind die Schiffe auf der Elbe aber nur zu 42 % ausgelastet.
Ausbaggern hilft nicht!
Die laufenden und geplanten Baumaßnahmen an der Wasserstraße Elbe können das Niedrgwasserproblem nicht lösen. Durch Baggern kann man zwar einen Teich vertiefen, nicht aber einen freifließenden Fluss. Wird die Sohle tiefer gebaggert, fällt zugleich auch der Wasserspiegel des Flusses, weil die Wassermenge nicht einfach vermehrt werden kann. Bis 2010 soll nach Auskunft des Bundesverkehrsministeriums die Elbe zwar nahezu ganzjährig mit mindestens 1,60 m befahrbar sein, diese Zusage ist aber an historische und inzwischen nicht mehr vorhandene Wasserstände von 1973-1986 gekoppelt. Der Elbe fehlt für eine rentable Güterschifffahrt die nötige Wassermenge und der prognostizierte Klimawandel lässt alles andere als eine Besserung erwarten. Nicht zuletzt hat auch das Bundesamt für Güterverkehr (Sonderbericht 2007) attestiert: „Die Schifffahrt kehrt der Elbe den Rücken“.
Was bleibt für Wittenberge?
Ernst Paul Dörfler: „Die Elbe ist ein erstklassiger Fluss, aber nur eine drittklassige Wasserstraße (Grafik: Flusslauf und Transport). Der Fluss eignet sich hervorragend für einen ökologisch angepassten Tourismus und lockt seit der Wiedervereinigung immer mehr Menschen an. Für den Transportumschlag hat Wittenberge insgesamt gute Möglichkeiten: Die erforderlichen Transporte können über die Schiene abgewickelt werden – an 365 Tagen im Jahr – unabhängig von Niedrigwasser, Hochwasser und Eis. Wenn Investitionen erforderlich sind – dann soll das Geld in die Schieneninfrastruktur fließen. Dies ist auch ökologisch vernünftig, denn die Güterbahn unterbietet im Energieverbrauch das Schiff (UBA 2005). Mit der Lösung „Schienentransport“ bleibt die Elbe den Menschen und der Tourismuswirtschaft als Perle der Natur erhalten.
Der BUND bietet der Stadt Wittenberge hiermit seine Gesprächsbereitschaft an, um die von der Stadt angestrebten wirtschaftlichen Impulse zugleich auch im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung der Region zu erreichen und umzusetzen.
Rückfragen:
Ernst Paul Dörfler | Leiter des BUND-Elbeprojekts | mobil 0178 - 1617800
…zur Übersicht |