BUND | Dresden/Magdeburg/Hamburg | 28.11. 2008
Flammender Protest in 41 Städten gegen Tiefensees Vertiefungspläne an der Elbe
In schon in 41 Städten und 7 Bundesländern entlang der Elbe werden am morgigen Samstag tausende "Fackeln für die Elbe" entzündet. Mehr als 100 Organisationen und Initiativen, darunter der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der NABU, der WWF sowie Angler- und Kanuverbände, viele kirchliche Kreise, Bauernverbände und das Regionale Bündnis gegen Elbvertiefung rufen geschlossen zum flammenden Protest gegen unsinnige Verkehrsprojekte auf.
Die Teilnahme einer tschechischen Delegation sowie des Pressesprechers des Nationalparks Böhmische Schweiz, Herrn Tomas Salov, in der Grenzstadt Bad Schandau unterstreicht den internationalen Charakter der Aktion.
Unter den Teilnehmern der Aktion befinden sich zahlreiche Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft. In Torgau wird die Europaabgeordnete Gisela Kallenbach (Bündnis 90/Die Grünen) das Wort ergreifen, in Magdeburg spricht der Dompediger Giselher Quast. Auch die SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag von Sachsen-Anhalt, Frau Katrin Budde, wird zugegen sein. In Schönebeck werden Fackeln vom Elbschwimmern durch den Fluss getragen. Der Protest richtet sich dort insbesondere gegen des geplanten Saale-Elbe-Kanal. Es werden die Landtagsabgeordneten der Linken, Sabine Dierlich und der SPD, Petra Grimm-Benne, sprechen. In Dessau werden die Bundesgeschäftsführerin der Grünen, Steffi Lemke, der Bundestagsabgeordnete der FDP, Jens Ackermann sowie Pfarrer Dietrich Bungeroth ein Statement abgeben. Im Brandenburgischen Mühlberg wird die Pastorin Kerstin Höpner-Miech zu den FackelträgerInnen sprechen. Den Verkehrsexperte des Umweltbundesamtes, Christoph Erdmenger, erwarten die Teilnehmer in der Lutherstadt Wittenberg.
Im Mittelpunkt der Kritik stehen die geplante Elbvertiefung der Tideelbe von Hamburg nach Cuxhaven sowie die laufenden Vertiefungen der Mittel- und Oberelbe. Den letzten noch naturnahen Fluss in Deutschland den immer größer werdenden Schiffen anpassen zu wollen sei ein Irrweg, so die Organisatoren der vernetzten Aktion. Die Bürger seien nicht mehr bereit, den Preis für diese massiven Eingriffe in den mehrfach geschützten Naturraum über die eigenen Steuergelder zu finanzieren und dafür wachsenden Hochwasserrisiken und abnehmender Deichsicherheit ausgesetzt zu werden.
Mit Empörung verfolgen die Menschen an der Mittel- und Oberelbe die fortgesetzte Steinigung ihres Flusses. Die Sinnlosigkeit könne jeder erkennen, der an der Elbe lebe.
Dem Mittellauf der Elbe fehle es nicht an Steinschüttungen an ihren Ufern, sondern an den erforderlichen Wassermengen für eine rentable Güterschifffahrt. Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung negiere das Niedrigwasserproblem sowie den Klimawandel und baue nach uralten Bauplänen und Wasserständen ohne jede Prüfung auf Wirtschaftlichkeit oder Umweltverträglichkeit einfach weiter, ohne jemals das Ziel – die ganzjährige Befahrbarkeit – erreichen zu können.
In der Tideelbe verkehren bereits alle großen Schiffe regelmäßig im Linienverkehr. Nur wenige sind dafür auf Hochwasser angewiesen. Eine geplante neunte Vertiefung der Tideelbe ist ein unwirtschaftliches und gefährliches Prestigeprojekt.
Die Aktion "Fackeln für die Elbe" richte sich an den Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee. Ihm müsse endlich ein Licht aufgehen, so die Akteure. Als Hausherr müsse er in der Lage sein, dem ökonomisch und ökologisch unsinnigen Treiben seiner Wasser- und Schifffahrtsverwaltung ein Ende zu setzen und ihr sinnvolle und zukunftsfähige Aufgaben zu übertragen.
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