Pressemitteilung Aktionsbündnis Elbe-Saale | 04.08.2008
Aktionsbündnis fordert Aufbau-Ost-Minister Wolfgang Tiefensee auf, den Saale-Elbe-Kanal zu beerdigen

Mit einer Wanderung durch das Flussbett der Elbe demonstrierten am Sonntag in Barby bei Magdeburg 50 Teilnehmer des 16. Internationalen Elbe-Saale-Camps gegen den geplanten Bau des Saale-Elbe-Kanals. Die Elbe führt auch jetzt wie gewöhnlich im Sommer und Herbst Niedrigwasser.
Christina Weigel, Sprecherin des Elbe-Saale-Aktionsbündnisses, erklärt die Situation mit prägnanten Worten so: "Die Elbe ist ein flacher Fluss, Herr Tiefensee!" Selbst wenn der geplante Kanal schon gebaut wäre - es können keine Frachtschiffe mit über 1000 Tonnen Ladung fahren. Sie würden in der Elbe steckenbleiben.
Derzeit beträgt die amtliche Fahrrinnentiefe der Elbe nur noch 1,40 m. Gütertransporte finden kaum mehr statt. Europaschiffe, die nach dem Kanalbau im Saale-Elbe-Verkehr Massengüter transportieren sollen, benötigen aber 2,50 m, voll beladen sogar 2,80 m Fahrrinnentiefe. "Diese Tiefe hat die Elbe die meiste Zeit des Jahres nicht zu bieten" so Weigel. Das befürchtete Resultat des geplanten Kanalbaus bringt Jutta Röseler, Sprecherin des Aktionsbündnisses, auf den Punkt: "Kein Schiff wird kommen!"
Mit dem Kanalbau werde dagegen jede Glaubwürdigkeit an eine seriöse Verkehrsplanung verspielt. Der "Aufbau-Ost-Minister" Wolfgang Tiefensee müsse sich den Vorwurf eines "Verschwendung-Ost-Ministers" gefallen lassen, wenn er das Trauerspiel um den Kanal nicht bald beende, so Röseler. Die Bevölkerung jedenfalls lehne diesen Kanalbau parteiübergreifend ab.
Allein die Planung des Kanals verschlinge 10 Millionen Euro, der Kanalbau selbst mindestens 100 Millionen Euro. In Stellungnahmen durch die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und durch das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig wird die Wirtschaftlichkeit des Kanalbaus angezweifelt, da die Kosten den Nutzen übertreffen würden. Während die amtliche Planung davon ausgeht, dass der Nutzen doppelt so hoch liegt wie die Kosten, kommt die MLU Halle-Wittenberg zu dem Ergebnis, dass der Nutzen des Kanals mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen Null tendiert.
Am kommenden Donnerstag um 17 Uhr wird die Wirtschaftswissenschaftlerin Charlotte Hesselbarth von der Uni Halle-Wittenberg die aktuelle Bewertung des Kanalprojektes im Camp bei Barby vorstellen.
Die Peinlichkeiten der Kanalplanung sind inzwischen auch der FAZ am 31. 7. 2008 aufgefallen. Der Artikel: "Vordringlicher Bedarf für ein nutzloses Projekt" und der Kommentar "Wer will das?" sprechen Bände. "Dieses Projekt aber bringt den Aufbau Ost um seinen letzten Kredit", so die FAZ. Weiter: "Wenn sich die Sachsen-Anhalter nicht selbst gegen solche Geldverschwendung wehren, werden es andere tun müssen."
Kontakt:
Simone Fella
Sprecherin des Elbe-Saale-Aktionsbündnisses
Tel.: 0178 1630203
Christina Weigel
Sprecherin des Elbe-Saale-Aktionsbündnisses
Tel.: 01520 823830
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