BUND - Pressemitteilung | Magdeburg, 2.April 2008
Sachsen-Anhalt rennt blind in die Blamage
Magdeburg: Mit über vier Jahre alten und damit völlig veralteten Prognosen zur Wirtschaftlichkeit beginnt die Planung zum Saalekanal. Niedrigwasser und Trockenheit an Elbe und Saale sowie die weitgehende Abwicklung der tschechischen Elbflotte werden ignoriert und verschleiert.
„Prognosen halten oft nicht das, was sie versprechen. Ihnen ohne Sinn und Verstand zu glauben und einfach hinterher zu rennen, ist reine Scheuklappenpolitik,“ sagt Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund f ür Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). „Schon beim Main-Donau-Kanal wurden die ursprünglich prognostizierten Transportmengen in Höhe von 20 Millionen Tonnen pro Jahr bis heute nicht annähernd erreicht. Und an Saale und Elbe ist bereits absehbar, dass der geplante Saalekanal der Güterschifffahrt nichts nutzt, weil das häufige Niedrigwasser der Elbe die geforderte ganzjähre Fahrt von Europaschiffen mit über zwei Meter Tiefgang nicht zulassen wird.“
Der geplante Saalekanal werde ähnlich wie im Fall des Main-Donau-Kanals den Druck auf die Kanalisierung des Flusses erhöhen und die Zerstörung einer der letzten naturnahen Flusslandschaften in Deutschland mit verursachen.
„Blind und taub stellen sich die Behörden und auch manche Politiker, wenn es um knallharte Fakten zu den Realitäten an Saale und Elbe geht“, sagt Ernst Paul Dörfler vom BUND-Elbeprojekt: „Während das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung zum Ergebnis kam, dass Sachsen-Anhalt im bundesdeutschen Vergleich in den nächsten 50 Jahren mit am stärksten unter dem Klimawandel zu leiden hat, legt die Wirtschaftlichkeitsstudie für den Saalekanal eine so genannte 'Trendfreiheit' zugrunde.
Die Planer des Kanals gehen also davon aus, dass der Klimawandel mit seinen zunehmend heißen und trockenen Sommern ausgerechnet an Elbe und Saale nicht stattfindet. Schon in den letzten Jahren musste der Güterverkehr auf der Elbe auf Grund von Wassermangel immer wieder eingeschränkt oder sogar eingestellt werden. Diese Fakten werden von den Planungsbehörden glatt unterschlagen."
Im neuen Masterplan für Güterverkehr habe Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee den effizienten Einsatz der Finanzmittel versprochen. Der BUND forderte Tiefensee auf, zu diesem Wort zu stehen und das Planungsverfahren zum Saalekanal sofort einzustellen.
Rückfragen:
Dr. Ernst Paul Dörfler, BUND-Elbeprojekt, Telefon: 039244-290, Mobil: 0178-1617800
BUND-Pressestelle, Tel. 030-27586-425, presse@bund.net
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