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Klima setzt Elbschifffahrt auf Grund

Klima setzt Elbschifffahrt auf Grund –
Umweltverbände fordern Neubewertung der Elbeausbau- und Unterhaltungspläne

17.01.2006

Berlin (ots) - Der Klimawandel führt die Pläne der Bundesregierung
für Ausbau und Unterhaltung der Elbe in die Sackgasse. Eine jetzt von
den Umweltorganisationen BUND, WWF und der Deutschen Umwelthilfe
vorgestellte Studie des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung
(PIK) zeigt, dass der Fluss immer weniger Wasser führt. Zwar hatte
die Elbe schon immer eine zyklisch stark schwankende Wasserführung,
doch sind im Vergleich zu den 70er und 80er Jahren häufiger niedrige
Pegelstände zu erwarten, wenn sich die in den letzten Jahren
beobachteten Trends fortsetzen. Damit ist von einer stärkeren
Behinderung der Güterschifffahrt auf der Elbe auszugehen. In dieser
Situation noch weitere Millionen in den Flussausbau zu versenken, sei
nicht nur ökologisch katastrophal, sondern auch verkehrspolitisch
unsinnig. Eine ganzjährige wirtschaftliche Schiffbarkeit der Elbe sei
trotz der geplanten Investitionen nicht erreichbar. Daher fordern die
Verbände einen Ausbaustop für die Elbe und eine Neubewertung der
Pläne vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Klimaveränderungen.

Das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung hat die
Pegelstände zwischen Dresden und Magdeburg während des letzten
Jahrhunderts unter die Lupe genommen. Die Wissenschaftler
beobachteten bei der Elbe in den letzten beiden Jahrzehnten eine
zunehmende Häufigkeit von Niedrigwasserperioden. Das
Unterhaltungsziel einer für die Schifffahrt an 345 eisfreien Tagen
eines Jahres garantierten Fahrrinnentiefe von 1,60 Meter zwischen
Dresden und Geesthacht und 1,50 Meter zwischen Dresden und Schmilka
wurde vielfach nicht erreicht. So wurden diese Werte in den Jahren
1991, 1992, 2000 und 2003 an vier bis sechs Monaten unterschritten
und damit eine wirtschaftliche Güterschifffahrt unmöglich.

Diese Situation dürfte sich noch verschärfen. Die neue Studie
zeigt, dass die Sommerniederschläge in den vergangenen drei
Jahrzehnten im Vergleich zur Periode 1951-80 stark abgenommen haben.
Gleichzeitig stiegen die Jahresmitteltemperaturen im deutschen
Teilgebiet um ca. ein Grad Celsius während der vergangenen 50 Jahre.
"Wenn diese Trends andauern, müssen wir mit häufigerem und extremerem
Niedrigwasser an der mittleren Elbe rechnen", prognostiziert Dr.
Frank Wechsung vom PIK. "Die Elbe würde in Niedrigwasserzeiten
weniger Wasser führen und wäre daher noch schlechter schiffbar."

"Ein weiterer Ausbau der Elbe ist völlig unsinnig, wenn der
Güterschifffahrt das notwendige Wasser unterm Kiel fehlt", betont Dr.
Ernst Paul Dörfler vom BUND. "Auf Grund der zunehmend lang
andauernden Stillstandsphasen kann ein ganzjähriger wirtschaftlicher
Betrieb der Güterschifffahrt auf der Elbe nicht garantiert werden.
Auch der drastische Rückgang des Transportaufkommens spricht
eindeutig gegen die weitere Nutzung der Güterschifffahrt".

Dennoch setzt das Verkehrsministerium auf den Ausbau und die
verschärfte Unterhaltung der Elbe. "Im Schnitt passieren die Elbe bei
Magdeburg nicht einmal ein Dutzend Frachter am Tag. Eine weitere
Vertiefung der Fahrrinne, Uferbegradigungen oder Buhnenverlängerungen
werden daran nichts wesentlich ändern", betont Georg Rast vom WWF.
"Hier opfere man nicht nur den letzten noch frei fließenden Fluss,
sondern gefährde zugleich die besten Auenlandschaften Deutschlands
und europäische Umwelt- und Naturschutzziele."

WWF, BUND und Deutsche Umwelthilfe fordern die Bundesregierung
auf, die derzeitigen Unterhaltungs- und Ausbaupläne an der Elbe
aufzugeben. Unabhängige Gutachten über Transportprognosen,
Klimatrends und Wasserstände sollten als Planungsgrundlage dienen zu
einem zukunftsfähigen Umgang mit der Elbe. Anstatt die Elbe für die
Güterschifffahrt auszubauen, müssten geplante Maßnahmen zur
Bekämpfung der Erosion dringend in die Tat umgesetzt werden.

Rückfragen bitte an:

Dr. Frank Wechsung, PIK: 0331-28 82 663
Georg Rast, WWF: 0162-291 44 59
Dr. Frank Neuschulz, DUH: 0160-89 50 55 6
Dr. Ernst Paul Dörfler, BUND: 0178-16 17 800

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