28.7.20011 | Hamburger Abendblatt | LÜNEBURG
Umweltschützer und Politiker diskutieren über die Zukunft des Flusses
und den
Hochwasserschutz
BLECKEDE/HITZACKER. Über die Zukunft der Elbe diskutierten bei einer zweitägigen
Veranstaltung des Bundes für Umwelt und Naturschutz (Bund) auf Burg Lenzen Teilnehmer aus
Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Der Dialog führte zum Konsens, dass die Elbe als
Wasserstraße für den planmäßigen Güterverkehr kaum geeignet sei, da die Wirtschaft
Transportsicherheit verlange. Diese könne die Elbe aufgrund ihrer schwankenden
Wasserstände nicht geben. Vor allem die langen Niedrigwasserstände infolge der seit Jahren
zunehmenden Trockenzeiten verhindern immer wieder einen planbaren und damit wirtschaftlich
Lastverkehr per Binnenschiff. Das Bundesverkehrsministerium sieht deshalb in seiner
Klassifizierung Elbe als Nebennetz keinen weiteren Ausbau mehr vor. "Diese Einstufung zeugt von gewachsenem Realitätssinn und ist keineswegs eine Herabstufung.
Schließlich handelt es sich um eine lange geforderte und vom Bundesverkehrsministerium nun
erstmals vorgelegte Einstufung der Wasserstraßen nach ihrer Bedeutung für den Güterverkehr",
so der Leiter des Bund-Elbeprojektes, Ernst Paul Dörfler. Mit einer Transportmenge von nur
einer Million Tonnen im Jahr rangiere die Elbe nach Dörflers Worten als Verkehrsweg weit
hinten. Deshalb seien Ausbauforderungen vor dem Hintergrund leerer Kassen
volkswirtschaftlich abwegig.
Als Naturraum und Tourismusziel rangiere die Elbe hingegen ganz weit vorn, sagte er. "Es hat
also Sinn, die Stärken zu erkennen und zu fördern, auch um der Region eine Perspektive zu
geben."
Für den Hochwasserschutz gibt es hingegen einen hohen Klärungsbedarf. Eckhard Seebaß (Bund): "Es ist unklar, welchen Anteil die unterschiedlichen Einflüsse, wie die Einengung des
Flussquerschnitts, Grundwasserstände, die Auflandung des Vorlandes und der Gehölzwuchs
auf die Hochwasserstände haben." Ein Thema des Dialogs war auch die Frage der Abholzung
der Weichholzauen. Den Schnitt der Bäume und Büsche im Deichvorland fordert unter anderem
der Verein zum Schutz der Kulturlandschaft und des Eigentums im Elbetal. Der Rückschnitt sei
nötig, so der Verein mit Sitz unter anderem in Bleckede und Amt Neuhaus, weil die starke
Verbuschung für die stetig steigenden Pegelstände bei den jüngsten Rekordhochwassern mit
verantwortlich sei.
Der Bund vertritt hingegen die Position, dass ein Spiel mit der Angst sowie Panikmache in
dieser Angelegenheit fehl am Platze seien. Da die Weichholzaue einen hohen Schutzstatus für
die Flusslandschaft habe, so Seebaß, müsse sehr sorgfältig geprüft werden, wo es verantwortet
werden kann, den Gehölzwuchs zu reduzieren. Zur weiteren Verbesserung des
Hochwasserschutzes bedürfe es mehr Transparenz, sowie einer intensiveren Zusammenarbeit
zwischen den Ländern und Landkreisen, um die Hochwasserstände durch besseren Rückhalt in
der Fläche nachhaltig zu senken. Darüber und über den wachsenden Tourismus wurde auch mit dem Leiter der Biosphärenreservatsverwaltung in Hitzacker, Dr. Johannes Prüter,
diskutiert.(stb) |