16.06.11 | Mitteldeutsche Zeitung – Anhalt-Bitterfeld | VON DETMAR OPPENKOWSKI
FRIEDERSDORF/MZ. Das Bauschild an der Muldebrücke in Friedersdorf irritiert viele Passanten. "Bau der Fischaufstiegsanlage am Auslauf", ist darauf zu lesen. Darunter steht die Bauzeit: 1. April 2009 bis 31. Juli 2010.
"Ja, wir sind im Verzug", räumt der Projektleiter der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), Harald Winkler, ein und verweist zugleich auf den aktuellen Stand. "Wir haben Anfang Juni wieder mit den Arbeiten begonnen. Wenn alles gut läuft, dann ist ab Anfang September die ökologische Fischdurchlässigkeit der Mulde an dieser Stelle gewährleistet und dieses Kapitel hoffentlich endgültig vom Tisch."
Denn eigentlich - so verrät es das Bauschild - sollte das mehr als vier Millionen Euro teure Projekt, das auch die Poucher Sohlgleite beinhaltet, schon längst Geschichte sein. Doch durch die Hochwasser im August und September vergangenen Jahres wurde das bis dato unvollendete Bauwerk in Mitleidenschaft gezogen. Durch das Wasser wurde eine Fläche von 150 Quadratmetern unterspült und sackte etwa 30 Zentimeter ab. Dadurch sei nach Angaben der LMBV ein Schaden von über 400 000 Euro entstanden.
Über die Übernahme dieses Betrages verhandelten am Donnerstag hinter verschlossenen Türen in Leipzig die LMBV, die mit der Überwachung beauftragte "Heinrich Ingenieurgesellschaft" und das bauausführende Unternehmen "Heilit und Woerner". Grundlage der Diskussion, bei der alle Parteien mit ihren Anwälten vertreten waren, war ein von der LMBV in Auftrag gegebenes Gutachten. Es sieht die Hauptschuld für das Absacken der Fischtreppe beim Auftragnehmer, da die Wasserhaltung in der Baugrube fehlerhaft ausgeführt worden sei. "Das Gutachten wurde von allen anerkannt", sagt Winkler. Zu klären sei nun, wie hoch die tatsächlich zu übernehmende Schadenssumme ist.
Trotz dieser Streitigkeiten hatten sich aber alle Beteiligten - ungeachtet der Schuldfrage - bereits zuvor entschieden, an der Fischtreppe weiterzuarbeiten. "Für uns steht die Fertigstellung der Anlage im Vordergrund", sagt Winkler. Daher wurden die geophysikalischen Untersuchungen bereits durchgeführt. Das Ergebnis: Es gibt keine Hohlräume, die die Standfestigkeit des Objektes gefährden. Daher ist gerade ein Großbohrgerät im Einsatz, das sich durch die Betonplatten frisst. Anschließend soll hier die Baugrube durch Spundwände abgeschlossen werden. Statt der vorgesehenen acht Meter sollen die nun 16 Meter tief in die Erde gerammt werden. Abschließend sollen die beschädigte Betonplatte ausgetauscht und die Restarbeiten erledigt werden.
Mit der Beendigung endet ein Projekt, dass folgende Umrisse hat: Bereits seit 2008 wird im Rahmen der "Querbaukonzeption Mulde Sachsen-Anhalt" an der ökologischen Fischdurchlässigkeit gearbeitet. Begonnen wurde mit der Poucher Sohlgleite. Im April 2009 begann man mit den Arbeiten in Friedersdorf. Durch die Anlage soll ein Höhenunterschied von fünf Metern zwischen Fluss und Staudamm überwunden werden. Mit der Fertigstellung soll sich neben den Wanderfischen auch für andere Organismen die ökologische Durchgängigkeit spürbar verbessern. Die Maßnahme zählt daher zu den Vorhaben des Landes Sachsen-Anhalt zur Umsetzung der Europäischen Wasserrichtlinie. |