| 21.02.2011 | Sächsische Zeitung | Von Florian Thalmann
Viele Menschen scheint es offensichtlich nicht mehr zu interessieren, das wahrscheinlich umstrittenste Elbe-Bauprojekt der Gegenwart. Der Saal im „Haus des Gastes“ in Bad Schandau blieb am vergangenen
Donnerstag nicht einmal zu einem Viertel gefüllt.
Vertreter des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) hatten zur großen Debatte geladen, um Gefahren und Nutzen des kritisierten Projektes Staustufe zu diskutieren. Zwischen Usti nad Labem und
Hrensko soll ein solches Bollwerk den Fluss künftig anstauen. Ziel ist es, die Fahrwassertiefe zu erhöhen,
damit ganzjährig Schiffe auf der Elbe fahren können (SZ berichtete). Umweltschützer aber wollen den Bau
verhindern. „Die Wirtschaft will planbare, konstante Bedingungen“, sagt Ernst Paul Dörfler, Umweltschützer und Buchautor. Das könne die Elbe nicht leisten, wenn man sie als natürlichen Fluss
erhält. Sie sei ein Niedrigwasserfluss, das Wasser durch den Klimawandel weniger geworden, eine
berechenbare Schifffahrt deshalb Utopie. „Wenn man einen Fluss zerstört, um Schiffe fahren zu lassen,
ist das nicht umweltverträglich.“
Ausbau für Schifffahrt
Die Debatte in Bad Schandau war nun der Auftakt für eine Reihe von grenzüberschreitenden
Diskussionen. Und es wird diskutiert. Über Wirtschaftlichkeit, über das Umlegen der Gütertransporte vom
Wasser auf die Schiene, die Verschwendung von Geldern, über Umweltschutz. Argumente gibt es viele,
gekontert wird kaum – zu wenig Befürworter sind gekommen. „Was juckt uns die Staustufe“, ruft ein
Zuschauer. „Sollen die Tschechen doch bauen!“ Und sie wollen.
„Deutschland hat ein gut ausgebautes Wasserstraßennetz“, sagt Pavel Obrdlík von der Firma Well
Consulting, die als Befürworter des Bauprojektes gilt. „Die Elbe ist für uns die einzige Verbindung zur
See.“ Ohne die Staustufe sei die tschechische Schifffahrt stark gefährdet. Veränderungen, auch für den
deutschen Teil der Elbe, könnten nach dem Ausbau jedoch schwerwiegend sein, argumentieren die
Gegner. So ergaben Untersuchungen am Rhein, dass mit Staustufen auch das Hochwasserrisiko steige.
Denn mit dem Bau einer Staustufe schaffe man keine zusätzlichen Speicherkapazitäten. „Wenn ich einen
Fluss ständig auf einen hohen Wasserstand bringe, ist für zusätzliches Wasser kaum Platz. Dass ein
solcher Bau vor Hochwasser schützt, sollte man in das Reich der Märchen schicken“, sagt Dörfler.
Auch auf den Tourismus könne sich die Staustufe auswirken, sagt BUND-Vertreter Gottfried Mann. „Jedes
Touristenschiff müsste künftig durch eine Schleuse, egal ob Kanu oder Schlauchboot“, sagt er. „Da hilft es
auch nicht, wenn man sagt, dass eh nur ein Schiff täglich elbaufwärts fährt. Wollen wir wirklich bei
diesem minimalen Verkehr bleiben?“ Das könne nicht im Interesse des Tourismus sein.
Es geht jedoch auch um EU-Fördergelder, und womöglich seien diese besonders wichtig, sagt Kreisrat
Claus Krüger (Grüne). Denn nur mit einem Projekt komme man an Zuschüsse heran. „Und die Staustufe
ist ein solches Projekt“, sagt er.
Trotz der geringen Bürgerbeteiligung zeigen sich die Organisatoren zufrieden. „Es ist ein kompliziertes
Thema. Leider kommt die Beteiligung immer erst dann, wenn es schon zu spät ist“, so Mann. „Es müsste
hier im Gebiet mal eine Konferenz zur Zukunft der Elbe geben, bisher tut sich da aber wenig.“ Der Idee
ist niemand abgeneigt, auch nicht Obrdlík. „Ich finde die Kommunikation wichtig. Wir begrüßen eine
Diskussion mit allen Interessierten.“ Auch Dörfler hofft auf eine Fortsetzung der Debatte. „Wir müssen für
Transparenz sorgen, Daten und Fakten öffentlich machen“, sagt er. „Nur so können wir die Politik in
Bewegung bringen.“
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