aktualisiert am Freitag, 28 Januar, 2011

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27.01.11 | Mitteldeutsche Zeitung

Saale-Kanal hat schlechte Karten

VON STEFFEN HÖHNE UND ALEXANDER SCHIERHOLZ

Halle (Saale)/MZ. Größerer Schiffsverkehr auf der Saale rückt in weite Ferne: Der Bau des Saale-Kanals an der Elbmündung wird immer unwahrscheinlicher. Das Bundesverkehrsministerium prüft derzeit die Wirtschaftlichkeit der deutschen Binnenwasserstraßen. Daran soll sich der künftige Ausbau orientieren. Der Saale-Kanal hat nach Berichten der Zeitung "Die Welt" keine Priorität mehr. Sachsen-Anhalt will dennoch an dem umstrittenen Großprojekt festhalten.

Eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums sagte am Donnerstag der MZ: "Es steht noch nichts fest, die Prioritätenliste wird derzeit noch erarbeitet." Klar seien aber bereits die Kriterien: Investiert wird in den Ausbau nur noch, wenn das Verkehrsaufkommen drei Millionen Tonnen pro Jahr überschreitet. Doch selbst optimistische Prognosen gehen für die Saale nach Bau des Kanals von nur 2,5 Millionen Tonnen Fracht aus. Im vergangenen Jahr waren es knapp 20000 Tonnen.

Mit dem Kanal, der etwa 100 Millionen Euro kosten wird, soll die Schiffbarkeit der Saale verbessert werden. Die acht Kilometer lange Wasserstraße soll etliche Windungen der Saale kurz vor der Mündung in die Elbe überbrücken. So soll der aufwendig ausgebaute Hafen Halle ganzjährig für sogenannte Europaschiffe erreichbar sein, die bis zu 1350 Tonnen Güter laden können. Vor allem große Unternehmen aus dem Chemiedreieck und dem Raum Bernburg wollen die Saale für Transporte nutzen

Umgekehrt werde der mitteldeutsche Wirtschaftsraum so an die Seehäfen angeschlossen, sagte André Schröder, Staatssekretär im Verkehrsministerium Sachsen-Anhalt. "Wir erwarten, dass der Bund diesen Argumenten folgt", so Schröder, "und das Planfeststellungsverfahren eröffnet."

Dafür gibt es allerdings eine weitere Hürde: Der Bund will ein Planungsverfahren davon abhängig machen, wie umfangreich eine für das Projekt notwendige Umweltverträglichkeitsprüfung ausfallen muss. Das soll gemeinsam mit Umweltverbänden festgelegt werden, der genaue Termin ist aber noch offen.

Umweltschützer laufen schon seit Jahren gegen den Kanal Sturm. Ihrer Ansicht nach würden damit wertvolle Flusslandschaften zerstört. Zudem wird die ganzjährige Schiffbarkeit wegen niedriger Pegelstände bezweifelt. Das Umweltbundesamt hatte bereits vor zwei Jahren die Wirtschaftlichkeit in Frage gestellt. "Die Elbe trägt nur zwei Prozent zum Güterverkehrsaufkommen der Binnenschifffahrt in Deutschland bei", hieß es. Der Kanal würde das Transportaufkommen nur unwesentlich erhöhen.

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