15. Juni 2010 | Schweriner Volkszeitung | von Maria Nielsen
HAGENOW
HITZACKER - Ein Stuhl auf dem Podium in der St. Johannis-Kirche in Hitzacker blieb leer. Enak Ferlemann, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, hatte seine Teilnahme an der letzten Veranstaltung des dritten Elbe-Kirchentages abgesagt. So fanden sich auf dem Podium ausschließlich Mahner, die unisono forderten, die Elbe als einem der letzten frei fließenden Flüsse nicht auszubauen und zu vertiefen. Das waren der Bundesvorsitzende des BUND Deutschland, Hubert Weiger, Klimaforscher Manfred Stock vom Potsdamer Institut für Klimaforschung und der junge Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn, (Bündnis 90/Die Grünen). Moderiert wurde von Hans-Joachim Döring, dem Beauftragten für Umwelt und Entwicklung der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland.
Bischofsvikar Jantzen fordert Gesamtkonzept für die Elbe
Mehr als 1000 Menschen aus Kirchengemeinden und Umweltgruppen entlang der Elbe waren nach Hitzacker gekommen. Unter dem Motto "Ein Fluss verbindet-Zukunftsbilder für die Elbe" beschäftigten sich an zwei Tagen mit der Zukunft der Elbe, nahmen zahlreiche Angebote wahr, die Elbe zu erkunden und zu erleben. Am Sonntagmorgen wurde auf dem Weinberg ein Elb-Gottesdienst abgehalten. Bischofsvikar Hans-Hermann Jantzen forderte in seiner Predigt die Politik auf, endlich ein nachhaltiges Gesamtkonzept für die Elbe mit allen beteiligten Interessengruppen zu entwickeln.
Am Nachmittag waren es dann nur noch rund 100 Menschen, die der Podiumsdiskussion folgten. Hans-Joachim Döring bedauerte, nach der Absage von Ferlemann keinen Befürworter des Elbeausbaus gefunden zu haben, denn man wolle nach guter, protestantischer Manier natürlich alle Meinungen zum Klingen bringen. In kurzen Impulsreferaten legten die Teilnehmer dann ihren Standpunkt dar. Hubert Weiger betonte, wie arm Deutschland an freifließenden Flüssen sei, fast alle wären kanalisiert oder gestaut. Die Elbe und ihre anliegend Auen gehörten zu den ökologisch wertvollsten Naturräumen in Deutschland. Man müsse deutlich mehr in den Schutz dieser Landschaften investierten. Eine Elbvertiefung und den Bau des Saale-Elbe-Seitenkanals lehne der BUND ab, das sei überflüssig, zu teuer und es bestehe kein Bedarf. Alternativen zur Schifffahrt sehe er in der Verbesserung des Schienenverkehrs.
Klimaforscher Manfred Stock prognostizierte für die Elbe einerseits längere Trockenperioden, was zu länger anhaltenden Niedrigwasserständen führen würde, andererseits aber auch stärkere, unbekannte Hochwassersituationen. Stephan Kühn, der in Berlin mit im Haushaltsausschuss sitzt, argumentierte auch als Haushalter. Jedes Jahr koste den Steuerzahler die Unterhaltung der Elbe bis Geesthacht 40 Millionen Euro. Dabei würden nur 1,3 Prozent aller Güter, die auf Wasserstraßen transportiert würden, auf die Elbe entfallen. Das seien 0,9 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr gewesen. Man müsse sich die Frage stellen, ob es ökonomisch vertretbar sein, für die Unterhaltung der Elbe so viel Geld auszugeben. Fraktionsübergreifend hätten die Mitglieder des Haushaltsausschusses nun diesen von den Grünen eingebrachten Prüfauftrag an den Bundesrechnungshof auf den Weg gebracht. Er sähe die Zukunft an der Elbe im sanften Tourismus. Kühn wies auch auf die seiner Meinung nach verzerrten Wettbewerbsbedingungen im Güterverkehr wegen des nicht versteuerten Schiffsdiesels hin. Die sich anschließende Diskussion in der St. Johannis-Kirche geriet schnell zur Verlautbarung von Stellungnahmen Einzelner. So bedauerte ein Besucher, dass die Behörden sich bei Ausdeichungsprojekten in Punkto Zwangsenteignung sehr zurückhalten würden. Ihm sei ein Beispiel aus dem Amt Neuhaus bekannt. Aus dem Amt Neuhaus war wohl kein Besucher in der Kirche, sonst wäre als Antwort darauf ja eventuell noch das Stichwort "Zwangsaussiedlung" gefallen. Der dritte Elbe-Kirchentag endete mit einer Andacht vor der Kirche. |