aktualisiert am Dienstag, 15 Juni, 2010

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Elbe-Jeetzel-Zeitung

Eine gute Schöpfung Gottes»
Gottesdienst und Diskussion beim Elbekirchentag –
Sachverstand der Schifffahrtsämter »umlenken»

by  Hitzacker. »Wir setzen uns dafür ein, dass die Elbe so naturbelassen bleibt wie möglich, damit sich nachfolgende Generationen an ihr erfreuen können.» Mit diesen Worten benannte der stellvertretende  Landesbischof Hans-Hermann Jantzen gestern beim Elbekirchentag im Gottesdienst auf dem Weinberg die Position der Kirche in Sachen Elbe.

Vor mehr als 300 Besuchern forderte er die Politik auf, ein Gesamtkonzept für den Fluss mit allen  Interessengruppen zu entwickeln. Die Kirche lasse sich bei keinem Thema den Mund verbieten, »will  Einfluss nehmen und nach Wegen suchen, die dem Leben und den Menschen dienen». Die Elbe, »eine gute Schöpfung Gottes», sei das verbindende Symbol für ein versöhntes Leben, meinte Jantzen. Der Bischofsvikar kritisierte in dem Gottesdienst auch die Sparbeschlüsse der Bundesregierung. Den sozial Schwachen die Hauptlast des Sparens aufzubürden, sei ein Zeichen »erschreckender Fantasielosigkeit».

Zwei Tage wurde in Hitzacker Elbekirchentag gefeiert – der unter dem Motto »Ein-Fluss verbindet - Zukunftsbilder für die Elbe» stand. Anders am Sonnabend - als sich das Geschehen am Nachmittag vor allem auf der Seewiese am Archäologischen Zentrum abspielte (Bericht unten), füllten sich erst am Sonntag die Straßen rund um die Kirche. Viele Menschen aus Gemeinden und Umweltgruppen entlang des Flusses waren nur zum zweiten Tag angereist.

Die Kirche wollte an diesem Elbekirchentag den Anfang machen, verschiedene Interessengruppen, wenn nicht zusammen, so doch wenigstens auf ein Podium zu bringen. Das misslang, denn der Vertreter des Bundesverkehrsministeriums hatte abgesagt - weil er auf dem öffentlichen Podium einem anstehenden Gespräch des  BUND-Bundesvorsitzenden Prof. Hubert Weiger mit Minister Ramsauer nicht vorgreifen wolle, informierte Propst Stefan Wiechert-von Holten. So war man sich auf dem Podium einig, dass die Elbe als einer der letzten freifließenden Flüsse etwas Besonders sei und eine Vertiefung der Elbe zu einer ganzjährig befahrbaren Wasserstraße mit einer garantierten Mindesstiefe von 1,60 Metern »ökonomisch rund ökologischer Unsinn» sei. Das Publikum sah es auch so, Widerspruch gab es keinen.

Professor Manfred Stock vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung verwies darauf, dass es durch den Klimawandel im Sommer häufigere Niedrigwasser- und im Winter häufigere Hochwasserperioden geben werde. Der Bundestagsabgeordnete Stephan Klein (Bündnis 90/Die Grünen), Mitglied der überparteilichen Parlamentarier-Gruppe »Freifließende  Flüsse», nannte Zahlen: Schiffsverkehr spiele auf der Elbe nur eine marginale Rolle, gerade mal 1,36 Prozent aller auf deutschen Wasserstraßen beförderten Güter würden auf der Elbe transportiert, die durchschnittliche Auslastung der Schiffe liege bei 45 Prozent.  Auf Kleins Initiative hat der Haushaltsausschusss des Bundestages den Rechnungshof beauftragt, die Wirtschaftlichkeit der schon heute jährlich an die 40 Millionen Euro teuren Unterhaltungsmaßnahmen zu untersuchen.

Für Klein gibt es  »keine ökonomisch begründbare Perspektive für die Elbe als Bundeswasserstraße». Sie sollte deshalb zurückgestuft werden.  Prof. Weiger erinnerte an das kirchliche Wort »Schwerter zu Pflugscharen». Bagger und Raupen sollten genutzt werden, um Lebensräume zurückzugewinnen, anstatt an der mittleren Elbe weitere Häfen oder auch den Saale-Seitenkanal zu bauen. Nicht nur in Zeiten wirtschaftlicher Krisen seien solche Aus-gaben »gesellschaftlich unverantwortlich» - während, wie Klein konstatierte, »Straßen und Schulen wegbröckeln». Den Sachverstand der Wasser- und Schiffahrtsdirektionen gelte es umzulenken zu einem ökologischen Hochwasserschutz. Dann, so Weigert, »müssen nicht Ehrenamtliche Zeit und Geld investieren, um den staatlicherseits entstandenen Schäden entgegenzuwirken».

/www.ejz.de

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