06.02.2010 | Volksstimme
Berlin (ddp). Bundesverkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann (CDU) weist die Kritik an einer Vertiefung der Elbe als verfehlt zurück. "Ein Ausbau der Elbe in Sachsen und Sachsen-Anhalt findet nicht statt", sagte Ferlemann gestern in Berlin. Bei den Maßnahmen an der Elbe handele es sich um "reine Unterhaltungsarbeiten" gegen Erosion und den Wasserspiegelverfall. Aus ökologischer Sicht seien die Maßnahmen alternativlos, um die auentypischen Funktionen in den betroffenen Abschnitten des Flusses zu erhalten.
Die vorherrschenden Fahrwasserverhältnisse an der Elbe stünden einer positiven Verkehrsentwicklung auf der Wasserstraße entgegen, sagte Ferlemann. "Die schlechten Fahrwasserverhältnisse der Elbe sind durch die jahrelang unterbliebenen Unterhaltungsmaßnahmen entstanden, und nicht umgekehrt." Die Elbe in Sachsen und Sachsen-Anhalt solle "selbstverständlich in ihrem Biosphärenreservat erhalten bleiben". Durch Unterhaltungsmaßnahmen sollen laut Ferlemann die Binnenschifffahrtsverhältnisse und die Abflussverhältnisse verbessert werden.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz ( BUND ) hatte die geplanten Baumaßnahmen an der Elbe scharf kritisiert und vor ökologischen und ökonomischen Schäden gewarnt. Befürchtet wird ein heimlicher Ausbau des Flussbettes. Der Leiter des BUND-Elbeprojektes, Ernst Paul Dörfler, warf Ferlemann vor, die Fakten an der Elbe nicht zu kennen und durch Ablenkungsmanöver darüber hinweg zu täuschen, dass die Elbe weiter vertieft werden soll.
LESERBRIEFE
06.02.2010 | Volksstimme Schönebeck
Zu „Elbe soll für schwere Schiffe passierbar werden", Volksstimme vom 30. Januar:
Die Elbe wird nicht ausgebaut. So sagte es Staatssekretär Ferlemann vom Bundesverkehrsministerium. Das beruhigt. Doch bleiben Fragen unbeantwortet. Wie will Herr Ferlemann eine ganzjährige Schiffbarkeit der Elbe garantieren, sogar für Schiffe mit drei Containern übereinander gestapelt? Welchen Tiefgang haben diese Schiffe dann? Die besagten 1,60 Meter Tiefe reichen gerade für zweilagige Beladung.
Und an wie vielen Tagen im Jahr hat die Elbe Niedrigwasser, an denen die Schiffe nicht fahren können? Ich lebe an der Elbe und kenne die ausgedehnten Niedrigwasserperioden. Hat dem Staatssekretär niemand gesagt, dass seine Garantie nicht eingelöst werden kann? Aber es soll erst einmal tüchtig gebaut und Geld ausgegeben werden, unser Geld.
Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen. Für die Elbe besteht höchste Alarmstufe. Es ist in diesem Jahr wohl erst recht nötig, für die Elbe zu streiten.
Ulrich Wittneven, Schönebeck
An der Ankündigung eines weiteren Elbeausbaus durch Staatssekretär Enak Ferlemann verwundert gleich mehreres: Erstens sollten die genannten Ausbau- (offiziell: Reparatur-) arbeiten mit dem Ziel einer Fahrrinnentiefe von 1,60 Meter nicht 2011 beginnen, sondern bereits 2010 abgeschlossen sein (so die Aussage der Wasser- und Schifffahrtsdirektion WSD Ost).
Zweitens: Inzwischen hat auch die WSD Ost eingeräumt, dass die Flussbauwerke zu einer stetigen Eintiefung der Elbe führen, deren Auswirkungen auf die Natur selbst durch die bereits jetzt schon erfolgende Geschiebezugabe nicht verhindert werden konnten.
Drittens: Eine Vertiefung der Elbe mag in den vom Meeresspiegel bestimmten küstennahen Abschnitten erfolgreich sein (von den dortigen Umweltwirkungen abgesehen), im Mittel- und Oberlauf der Elbe führt eine Fahrrinnenvertiefung lediglich dazu, dass die dort begrenzte Wassermenge entsprechend tiefer die Elbe entlang fließt. Die Zahl der für die Schifffahrt nutzbaren Tage wird dadurch nicht erhöht.
Viertens: Die 1,60 Meter Fahrrinnentiefe sind ein reines Alibi. Sie werden nicht zu einer deutlichen Erhöhung der Transportmenge auf der Elbe führen, erst recht nicht zur genannten Vervierfachung. Die Berufsschifffahrt hat sich schon längst von den flachgehenden Schiffen verabschiedet und transportiert auf der Elbe nur dann in erhöhtem Maß, wenn es sich für die großen Europaschiffe mit 1.500 Tonnen Ladung und 2,50 Meter Tiefgang lohnt. Diese Wasserstände aber werden an der Elbe nur zu 30 Prozent des Jahres erreicht.
Anders als auf den großen Strömen finden auf der Elbe inzwischen 60 Prozent des Verkehrs als Freizeitschifffahrt inklusive Weißer Flotte statt. Deshalb muss die dringende Forderung lauten, die angekündigten Arbeiten sowie den Bau des Saalekanals einzustellen und das frei werdende Geld z. B. in die Entwicklung des Tourismus zu stecken. Denn dann kommt das investierte Geld auch der Region zu gute.
Thoralf Winkler, 39218 Elbenau |