04.02.2010 | Mitteldeutsche Zeitung | VON HENDRIK KRANERT
Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) kritisert halleschen Professor scharf.
MAGDEBURG/MZ - Der hallesche Uni-Professor Hans-Ulrich Zabel hat vor dramatischen Folgen eines Elbe-Ausbaus für Ökologie und Tourismus gewarnt. Mit Sachsen-Anhalts Wirtschaftsrnin ister Reiner Haselhoff (CDU), der in Wittenlmrg an der Elbe lebt, sprach darüber MZ-Redakteur Hendrik Kranen.
Herr Haseloff, sind 20 000 Arbeitsplätze in Gefuhr, wenn die Jobs von jivei Dutzend Binnenschiffern gerettet werden?
Haseloff: Zabels Zahlen stelle ich in Zweifel. Die volkswirtschaftlichen Abschätzungen sind nicht nachvollziehbar, denn in ganz Sachsen-Anhalt haben wir gerade 43 000 Arbeitsplätze im Tourismus, davon allein ein Drittel im Harz. Wer die Debatte so fiihrl, sollte darauf achten, dass er nicht die
eigene und die Reputation der Universität gefährdet. Solche plakativ überzogenen Zahlen stellen die Botschaft in Trage, die vermittelt werden soll...
...dass der Aushau der Flbe gravierende ökologische Folgen haben könnte.
Haseloff: Die Elbe ist schon lange kein Naturprodukt mehr, sondern wurde in der Mine des 19. Jahrhunderts von den Preußen begradigt. Um den Flusslauf so zu halten sind laufende Instandsetzungsarbeiten nötig. Richtig ist aber, dass an der Elbe ein wahrer Naturschatz existiert; eine Auenlandschaft, die Hebens- und unbedingt erhalienswert ist. Ich widerspreche aber Zabels These, dass diese Arbeiten so gravierend sind, dass die Landschaft nachhallig geschädigt wird. Daran hat niemand Interesse, irn Gegenteil. Zabels Aussagen sind völlig überzogene, ideologisch überformte und angstmachende Prognosen.
Dennoch soll die Elbe ganzjährig auf eine Wassertiefe von l,60 Meter ausgehungert werden – für eine kaum nennenswerte Tonnage.
Haseloff: Dass es so wenig Schifffahrt auf der Elbe gibt, bedauere ich sehr. Schon aus Gründen der Ökologie wäre eine stärkere Verlagerung von Transporten von LKW auf Schiffe wünschenswert. Eine totale Marginalisierung der Binnenschifffahrt wäre daher verkehrt. Da ein Ausbau der Elbe auf Europaschiff-Niveau illusorisch ist, würde ich es sehr begrüßen, wenn ein ganzjährig nutzbares Flachwasserschiff für die Elbe entwickelt würde. Natürlich ist das sehr kostenintensiv.
Und wie stehen Sie zum geplanten Hau des Saalekanals?
Haseloff: Ich halte es für nötig, das Projekt erneut zu überprüfen und wissenschaftlich neu zu bewerten. Man muss sehen, ob es mittel- und langfrisiig ein entsprechendes Transportvolumen gibt. Da das Gesamtprojekt der Saale-Schiffbarmachung nicht gekommen ist, hat sich viel im Transportaufkomrnen umsortiert und auf Straße und Schiene verlagert. Es muss untersucht werden, ob man das alles auf den Fluss zurückholen oder das Transportvolumen sogar erhöhen kann. |