29.08.10 | Mitteldeutsche Zeitung
Euronatur-Preis
Magdeburg/ddp. In der Elbe ist Ernst Paul Dörfler in seinem Element. Gerade erst hat er eine Gruppe von Lehrern auf einer Paddeltour über den Fluss geführt. Nun sitzt der Naturschützer in einem Café am Elbufer in Magdeburg und versucht, seine Leidenschaft für die Elbe in Worte zu fassen. «Viele Leute vergessen, was das für ein Schatz ist. Es gibt keine zweite Großstadt, die so eine naturnahe Flusslandschaft mitten in der Stadt hat», sagt Dörfler. Der 60-Jährige hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Naturlandschaft zu erhalten. Für seine umweltpolitische Arbeit und sein langjähriges Engagement für die Elbe wird Dörfler nun im Oktober mit dem Euronatur-Preis ausgezeichnet.
Die von der gleichnamigen Stiftung ausgelobte Auszeichnung wird seit 1992 für herausragendes Engagement um den Naturschutz, die Umweltbildung und eine nachhaltige Entwicklung vergeben. Bisherige Preisträger sind unter anderen Nelson Mandela, Michail Gorbatschow und Prinz Charles.
Seit 20 Jahren gilt Dörflers Kampf hauptsächlich dem Erhalt der Elbe. Unermüdlich protestiert er gegen den geplanten Saale-Elbe-Kanal. Die Pläne für den Bau des Kanals, der die Saale an das Binnenwasserstraßennetz anschließen soll, hätten sich als Fehlentscheidung erwiesen, würden «aber gegen jeden gesunden Menschenverstand durchgepeitscht», sagt Dörfler. Es gehe dabei nicht nur um ökologische Fragen, darum, «dass es auch der Elbe an den Kragen geht» und der Fluss ausgebaut werde. «Rein aus wirtschaftlichen Gründen muss man davon die Finger lassen», findet Dörfler.
Die beabsichtigte Belebung der Schifffahrt über den Kanal und die Elbe werde nicht erreicht, da die Elbe nur rund 110 Tage im Jahr die für den Güterverkehr ausreichende Mindesttiefe aufweise. Wegen des Klimawandels werde es in Zukunft immer häufiger zu Perioden mit Niedrigwasser kommen.
Das Gespür für Umweltprobleme habe er schon als Kind entwickelt, erzählt Dörfler. Als ein Badeteich in der Nähe seines Elternhauses zugeschüttet worden sei, habe er «schon den Schmerz gespürt, was es bedeutet, Lebensraum für mich und die Tiere zu verlieren». Damals habe er aber «noch keinen Aufstand gewagt». Später hat sich Dörfler aber dann umso lauter zu Wort gemeldet.
Als Wissenschaftler in der DDR hat er versucht, auf ökologische Missstände hinzuweisen. Mit «großer Begeisterung» habe er am Institut für Wasserwirtschaft an Umweltstudien zur Belastung von Gewässern und Trinkwasser gearbeitet, «um Wissen weiterzugeben, Leute zum Handeln zu bewegen». Offiziell habe es aber keine Umweltprobleme geben dürfen, sagt Dörfler. «Ich musste ständig unterschreiben, niemandem etwas zu sagen und die Daten abzuliefern. Da hab ich mir gedacht, das kannst du auch lassen, wenn das keine Konsequenzen hat.»
1983 schmiss Dörfler den Job hin und machte sich als Autor selbstständig. Nach einer langwierigen Auseinandersetzung um Genehmigungen, Gutachten, unerwünschte Wörter wie «Waldsterben» und aufgezwungene Marx-Zitate erschien 1986 sein erstes Buch «Zurück zur Natur». Nach der Wende engagierte sich Dörfler politisch in der Umweltbewegung und saß 1990 für die Grünen im Bundestag. Damals sei versäumt worden, nach dem politischen auch den ökologischen Umbau anzugehen, sagt Dörfler. «Die Schlote rauchten nicht mehr, die Luft war sauber, das Umweltproblem schien gelöst.» Für Dörfler war dies aber «zu kurz gedacht». Ein Großteil der Umweltbelastung sei lediglich in andere Länder verlagert worden: «Der Dreck wird woanders produziert, Menschen werden woanders krank.»
Menschen auf diese Zusammenhänge und auf nicht unmittelbar sichtbare Gefahren wie den Klimawandel und das Artensterben hinzuweisen, sehe er als seine Mission. «Die Zeit drängt», fügt Dörfler hinzu. Auch für die Elbe. «Wenn das Normale nicht mehr da ist, dann fehlt es. Ich möchte nicht, dass es soweit kommt». |