7.8.2010 | Schweriner Volkszeitung | von Barbara Haak
WITTENBERGE - Der wirtschaftliche Effekt und Nachhaltigkeit sind für das Unternehmen Prignitzer Chemie gewichtige Gründe, zunehmend den Güterumschlag übers Wasser ins Auge zu fassen. Deshalb war Marketingchef Wolfgang Krüger auch mit von der Partie, als der Bundestagsabgeordnete Gustav Herzog (SPD) auf seiner Tour entlang der Elbe am Donnerstag in Wittenberge Station machte (der "Prignitzer" berichtete gestern auf Seite 1).
Er absolviere einen Crashkurs in Sachen Elbe und zu den mit dem Strom verbundenen Hoffnungen und Konflikten, sagt Herzog zu den Gründen seiner mehrtägigen Reise. Seine Bundestagskollegin Dagmar Ziegler (SPD) habe ihn überzeugt, dass Wittenberge unbedingt mit ins Programm gehöre. Anlass für die Tour am Strom ist der Umstand, dass Herzog - wie auch Ziegler - der parlamentarischen Arbeitsgruppe "Binnenschifffahrt" angehört und gleichzeitig als Sprecher seiner Fraktion für Binnenschifffahrt fungiert.
Binnenschifffahrt, das ist das Stichwort auch für Wittenberge. Im Industriegebiet Süd entsteht der neue Umschlagplatz für Transporte auf dem Wasserweg. Kommunalpolitiker und der Regionale Wachstumskern setzen zur Standortsicherung und -Entwicklung auf diesen neuen Hafen, dessen Funktionieren ganz wesentlich vom Wasserstand der Elbe abhängt. Im Flusslauf oberhalb Wittenberges im Zuständigkeitsbereich des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg sichern die Unterhaltungsmaßnahmen weitestgehend eine Fahrrinnentiefe von mindestens 1,60 Meter an 345 Tagen im Jahr. Das verdeutlichten der Leiter der Magdeburger Behörde, Friedrich Koop, und der Wittenberger Außenbezirkschef Hubert Finke dem Bundestagsabgeordneten in der Gesprächsrunde mit den Bundestagsabgeordneten.
Das Problem liegt stromab. Es betrifft die sogenannte Reststrecke unterhalb von Dömitz. Eine Flachstrecke, sagen die Fachleute. Der Grund seien die Buhnen, die nicht weit genug in den Fluss ragen. Die Elbe wird dadurch langsamer, lagert mitgeführtes Geschiebe ab. Jährlich wird die Fahrrinne gebaggert - zwei bis drei Millionen koste das. Rund 20 Millionen Euro würde es nach Angaben des zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamtes kosten, Buhnen als Stromregulierungsbauwerke zu verlängern.
Herzog sagte in Wittenberge, das Problem in der parteiübergreifend besetzten Parlamentariergruppe zur Sprache zu bringen und auf eine Lösung zu drängen. "Ich bin von der Effektivität des Transportweges Elbe überzeugt", so der Bundestagabgeordnete. "Wir können für den Gütertransport ein vorhandenes Flusssystem nutzen", argumentiert er. Jährlich würden für den Unterhalt der Elbe auf bundesdeutschem Gebiet rund 40 Millionen Euro eingesetzt. Die müsste man aber auch ausgeben ohne Binnenschifffahrt.
Als Stichworte nannte der Parlamentarier den Hochwasserschutz und den Einsatz von Eisbrechern. Eine Absage erteilte der Sozialdemokrat "riesigen Stauwerken am Strom". "Es wird sie nicht geben, sie sind nirgends geplant."
Mit Bezug auf das Gespräch, dass er mit der Leiterin des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe-Brandenburg geführt habe, stellte Herzog fest: "Ich habe den Eindruck, Wirtschaft und Naturschutz arbeiten hier schon miteinander. |