aktualisiert am Montag, 23 August, 2010

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31. Juli 2010 | Volksstimme – SBK ELBE-SAALE RUNDBLICK

Podiumsdiskussion im Elbe-Saale-Camp Barby / Dr. Ernst Paul Dörfler:

„Schiffer verdienen nach Bau des Kanals kein Geld zusätzlich“

Von Olaf Koch

Barby. Ohne die Befürworter des Saale-Elbe-Kanals in der vordersten Reihe verliert jede Podiumsdiskussion im Elbe-Saale-Camp ein wenig an Spannung. Als die Flussschützer am vergangenen Donnerstag zur Debatte zum Thema: „Können wir uns eine wirtschaftliche Binnenschifffahrt auf Elbe und Saale leisten?" einluden, blieben drei Stühle leer. Wie Moderatorin Jutta Röseler berichtete, waren Vertreter des Bundesverkehrsministeriums aus Berlin sowie Landtagsabgeordnete der CDU sowie der FDP eingeladen.

So blieben die Gegner des Kanales wieder einmal unter sich und nutzten so die Plattform der Podiumsdiskussion, um ihre Meinungen zum Stopp des Vorhabens auszutauschen. Selbst von den 40 Zuhörern in dem gut durchlüfteten Zelt machte sich keiner als Kanalbefürworter bemerkbar. Ein Austausch der Argumente beider Kontrahenten blieb damit praktisch aus.

Auf der Seite der Parteien waren Politiker der SPD, von Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke gekommen. Petra Grimm-Benne (SPD) machte deutlich, dass ihre Partei „immer eine doppelte Rolle" gespielt habe. Von einem einheitlichen Auftritt der Sozialdemokraten im Land war demnach bisher nichts zu sehen. „Wir Schönebecker und einige Anrainer waren schon immer zunächst gegen die Staustufen, nun gegen den Kanal", machte sie deutlich.

Zerissenheit ab dem 9. Oktober ein Ende?

Doch diese Zerissenheit innerhalb der Partei solle sich ändern. Am 9. Oktober findet der Landesparteitag statt. „Ich hoffe, dass wir dann mit einem Beschluss gegen den Kanal eine klare Position bekommen werden und die Ablehnung ins Wahlprogramm mit aufgenommen wird", so Petra Grimm-Benne.

Dass sich die Grünen seit langer Zeit gegen den Kanalbau aussprechen, erklärte Dorothea Freder King aus Magdeburg. Ihrer Meinung nach mache weder der Kanal, noch der daraus resultierende und zwangsläufige Elbeausbau einen Sinn.

Die gleiche Ansicht vertrat auch Dr. Uwe-Volkmar Köck (Die Linke) aus Halle. Er berichtete von Gesprächen mit Verantwortlichen der Region, die sich dafür aussprachen, vorranging die Bahn und nicht die Flüsse auszubauen. Nicht nur er, sondern auch seine Fraktion habe sich bereits vor geraumer Zeit gegen den Bau des Kanals zwischen Calbe und Barby ausgesprochen.

„Können wir uns eine wirtliche Binnenschifffahrt auf Elbe und Saale leisten?", war der Titel der Podiumsdiskussion. Aus diesem Grund hatten sich die Initiatoren einen Experten eingeladen: Dr. Ulrich Petschow vom Institut für ökologische Wirtschaftsförderung (IÖW). Nach eigenen Aussagen habe sich Dr. Petschow bereits seit Jahren mit Elbe, Saale und den Wirtschaftlichkeitsberechnungen beschäftigt. Ausführlich legte er seine Meinung dar, um dann zu schlussfolgern: „Eine Erhöhung des Verkehrs ist nach dem Kanalbau auf Saale und Elbe nicht zu erwarten. Außerdem ist die Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung sehr begrenzt", so der Experte. Er widersprach der Annahme, dass viel Verkehr mit viel Wachstum einhergehe.

Und noch ein Argument führte Dr. Ulrich Petschow in die Diskussion ein: „Eine Verkehrsverlagerung von der Straße auf den Fluss wird es nicht geben. Diese Automatik funktioniert unseren Erfahrungen nach nicht. Das Erste, was passiert, ist, dass die Preise bei der Bahn fallen."

Als „Anwalt der Flüsse" war zu der Podiumsdiskussion Dr. Ernst Paul Dörfler eingeladen. Er zitierte in der Runde am Donnerstag aus Schreiben der Schifffahrtsverbände, wonach eine Belebung der Saale nicht ohne den Ausbau der Elbe zwischen Magdeburg und der Mündung der Saale zu erwarten sei. „Die Schiffer können auch nach dem Kanalbau kein Geld zusätzlich verdienen", so Dörfler. Er und andere Gesprächspartner kritisierten mehrmals einzelne Berichterstattungen in der Volksstimme als „einseitig".
Dörfler machte die Forderung nach „Schiffen auf Rädern" auf, aber nicht auf Gummi-, sondern auch Eisenrädern. Zudem zweifelte er Zahlen an, die in der Vergangenheit in verschiedenen Medien veröffentlich wurden, Zahlen um Schiffbreiten und -längen, Lademöglichketen und andere Dinge. Nach neuesten Informationen, die Dr. Ernst Paul Dörfer am Donnerstag nannte, soll der Kanalbau nun zwischen 100 und 150 Millionen Euro kosten, die Transporterwartung soll damit auch von 1,5 Millionen Tonnen auf 2,5 Millionen Tonnen im Jahr angehoben worden werden.

Wegen Abwesenheit kein Widerspruch

Widerspruch zu alle den Punkten der Kanalbau-Gegner gab es aus den bekannte Abwesenheitsgründen der Befürworter nicht. Alle Camper riefen zum Abschluss der Podiumsdiskussion auf, sich bei den zuständigen Politiker vehement dagegen auszusprechen. „Der Kanal ist unsinnig", sagte Dörfler am Ende.

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