aktualisiert am Dienstag, 29 Dezember, 2009

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09.12.2009 | Süddeutsche Zeitung | Varinia Bernau

Subventionen versenken

Weil der Regen ausbleibt, ist die Elbe zu flach für Frachter.
Doch ihre Häfen werden ausgebaut

München – Der Aufschwung kommt per Schiff. So haben sie sich das gedacht in Mühlberg, einer 4000-Einwohner-Stadt im Südwesten Brandenburgs. Deshalb beantragen sie nun Geld aus dem Konjunkturpaket 2,4 Millionen Euro, um den Elbhafen „aus dem Dornröschenschlaf zu wecken", wie Bürgermeisterin Hannelore Brendel sagt. Fünf oder sechs Betriebe aus der Region könnten dort Kies, Rotorenblätter oder Holzpellets verschiffen. Vielleicht, so die Hoffnung, würden sich weitere Firmen ansiedeln. Doch ob das mit dem Aufschwung klappt, hängt nicht am Fördermittelantrag. Es hängt am Wetter.
Die Pegelstände der Elbe sind so niedrig wie an kaum einem anderen Fluss in Europa. Und weil sie weiter sinken, können Frachter den Fluss immer seltener passieren. In Mühlberg ist die Elbe inzwischen schon an etwa 200 Tagen im Jahr zu flach für Schiffe mit Korn, Kies oder Kohle. Dennoch subventioniert der Staat die Elbschifffahrt mit jährlich 40 Millionen Euro, wie der Ökonom Hans-Ulrich Zabel in einer Studie zur nachhaltigen Nutzung der Elbregion anführt. In diesem und im nächsten Jahr dürften dazu mit den Mitteln aus dem Konjunkturpaket noch ein paar Millionen hinzu kommen. Nicht nur in Mühlberg. Der Elbhafen in Wittenberge wird für 4,3 Millionen Euro ausgebaut, für den Hafen in Dessau-Roßlau sind 1,2 Millionen Euro beantragt. Investitionen, die im wahrsten Sinne des Wortes in den Sand gesetzt sind, so fürchtet Zabel.

Von der Quelle im tschechischen Riesengebirge bis zum Stauwehr Geest-hacht, von Mühlberg aus etwa 450 Kilometer stromaufwärts gelegen, wird die Elbe fast ausschließlich vom Regenwasser gespeist. Das reicht immer seltener, um das verdunstete Wasser auszugleichen: Mit dem Zusammenbruch der auf Braunkohle basierenden Industrie verschwanden die Schornsteine aus der Region -und damit auch das Schwefeldioxid als einer der wichtigsten kühlenden Gegenspieler des Treibhauseffektes. Der Himmel klarte auf, die Sonne strahlt seither länger und intensiver. Nach Berechnungen des Potsdam Instituts für Klimafolgenfor-schung könnte bis Mitte des Jahrhunderts die Temperatur um weitere zwei bis drei Grad steigen. Dann würden die Pegel der Elbe noch früher im Jahr sinken und länger auf dem niedrigen Niveau verharren.

Bürgermeisterin Brendel kennt diese Prognosen, aber sie hat ihre eigene Art, diese zu deuten. „Schon in der Bibel steht doch: Auf sieben trockene Jahre folgen sieben feuchte", sagt sie und schiebt, um etwas mehr Ernsthaftigkeit bemüht, hinterher: „Mit den moderneren Schiffen wird die Elbe künftig rentabler befahrbar sein."

Doch ob sie damit recht behält, das hängt letztlich vom Wetter ab: Rentabel sei die Elbschifffahrt auch mit einer neueren Flotte nur bei hohen Pegelständen, sagt Jacob Möhring, der an der TU Berlin die Wirkung des globalen Klimawandels auf die Elbe untersucht. Einerseits sind die modernen Schiffe zwar schneller, vieles ist automatisiert. Das könne die Transportkosten senken. Andererseits seien die neuen Schiffe aber auch deutlich größer als die alten. „Um sie auszulasten, muss man sie stärker beladen. Schiffe mit halber Fracht über das flache Wasser zu schicken, rechnet sich einfach nicht", sagt Möhring. Im vergangenen Jahr wurde nicht einmal eine Million Tonnen Fracht über die Elbe verschifft.

Die Betreiber des Hafens in Dessau-Roßlau wollen gerade deswegen ihre Anlegestellen für so genanntes Stückgut aufrüsten: Rotorenblätter und Turbinen, die so sperrig sind, dass der Transport auf der Straße viel schwieriger und damit auch teurer ist. Gemessen an ihrer Größe sind diese Frachten vergleichsweise leicht und können deshalb auch bei niedrigeren Pegelständen noch über die Elbe verschifft werden. Mühlbergs Bürgermeisterin Brendel beispielsweise setzt ihre Hoffnungen auf den Windanlagenbauer Vestas, der eines seiner Werke in der Region betreibt. Allerdings liegen zwischen der Fertigungshalle und dem verschlafenen Hafen an der Elbe etwa 50 Kilometer über Straßen, die für so große Frachten wie Rotorenblätter gar nicht ausgebaut sind.

Elbekies, eines der größten Kieswerke Deutschlands, hat seinen Sitz immerhin direkt in Mühlberg. Doch Frachter, die mit wuchtigem Schüttgut wie Kies ausgelastet werden, liegen tiefer als jene, die Rotorenblätter oder Turbinen transportieren. Das Kieswerk müsste seine Frachten also einlagern. An jedem Tag, an dem die Elbe zu flach ist. Deshalb schickt das Unternehmen den Kies fast ausschließlich per Bahn zu den Kunden. Das sei, so heißt es dort, der wirtschaftlichste aller Transportwege. Denn einen Güterbahnhof gibt es bereits direkt vor dem Werk. Und der Fahrplan ändert sich nicht einmal bei größter Trockenheit.

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