aktualisiert am Donnerstag, 3 Dezember, 2009

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1.12.2009 | MZ Anhalt-Kurier| THOMAS STEINBERG

Grundkonflikt wartet auf Klärung

Bürgerinitiative Pro Elbe feiert am Gründungsort ihren achten Geburtstag

DESSAU/MZ. Sie ist gewachsen, sie wird wahrgenommen - und sie fühlt sich immer noch nicht überflüssig: die vor acht Jahren in Dessau gegründete Bürgerinitiative Pro Elbe. Am Dienstagabend hatte sie eingeladen in den Gemeindesaal der Ziebigker Auferstehungskirche, an den Gründungsort, um sich ein wenig zu feiern und überdies zu erfahren, was in einer von der Michael-Otto-Stiftung finanzierte Studie zur Elbe steht.

Erarbeitet wurde diese Studie vom Berliner Institut für ökologische Wirtschaftsforschung im Auftrag des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). Grundsätzlich Neues bietet das 300-seitige Papier "Stand und Potentiale der Elbe-Binnenschifffahrt" nicht. Was es aber nicht überflüssig macht. Vielmehr fasst die Studie Daten und Erkenntnisse aus den unterschiedlichsten Quellen zusammen, präsentiert kompakt statistisches Material, aus dem die beiden Autoren einen Schluss ziehen, der nicht nur den Elbausbau betrifft: Wegen der dünner werdenden Besiedlung im Einzugsbereich der Mittelelbe, einer geringen Wirtschaftsleistung, Wirtschaftsstrukturen, in denen der Transport von Massengütern wie Kohle, Erze usw. eine immer geringere Rolle spielt, stellen sie das Prinzip der nahezu bedingungslosen Förderungen neuer Verkehrsinfrastrukturen in Frage. Nicht zuletzt, weil gerade entlang der Elbe Strukturen von Bahn, Straße und Wasserwegen parallel ausgebaut wurden - mit negativen Folgen für die Schifffahrt.

Im seinem Vortrag beschränkt sich Stephan Gunkel vom BUND in Berlin allerdings darauf, vor allem Grafiken und Daten zu präsentieren, die im Verlaufe der Jahre immer wieder bei der einen oder anderen Gelegenheit präsentiert wurden, statt auf neues und unbekannteres Material zu setzen. Dennoch ist seine Botschaft klar: Egal ob nun die Elbe ausgebaut wird oder nicht - die Schifffahrt werde nicht zurückkehren, sie hat etwa den Rhein und die großen Kanäle als für sie attraktiver ausgemacht. Und volkswirtschaftlich sinnvoll könne der Transport auf der Elbe niemals sein. Auch weil nach Überzeugung der Klimaschützer der Wasserpegel sinke und sich die Elbe immer weiter eintiefe.

Gunkel sieht einen klaren Konflikt zwischen der Nutzung der Elbe als Bundeswasserstraße und dem Erhalt der von Austrocknung bedrohten Elbauen. "Die gesellschaftliche Frage wird nicht gestellt", sagt er. Der Konflikt spiegelt sich laut Gunkel im Koalitionsvertrag wieder: Einerseits werde darin der Ausbau aller Bundeswasserstraßen verlangt, andererseits werde überlegt, die Wasserstraßen- und Schifffahrtsdirektionen auch mit Umweltaufgaben zu betrauen.

Im kommenden Jahr sollen die Strombaumaßnahmen an der Elbe beendet werden. Dann soll eine durchgängige Tauchtiefe von 1,60 Meter erreicht sein. Ob das Ziel erreicht wird, daran äußerte Ernst Paul Dörfler von Pro Elbe Zweifel und präsentierte aktuelle Zahlen, die das fast völlige Erliegen der Schifffahrt während des Sommers belegten - hier sanken die Pegel auf einen Meter.

Für den Hafen Roßlau dürfte der Abschluss der Arbeiten am Fluss unangenehme Folgen haben. Ernst Paul Dörfler jedenfalls führt den gemeldeten Anstieg des Umschlags auf den An- und Abtransport von Wasserbausteinen zurück.

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