aktualisiert am Mittwoch, 23 September, 2009

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Mitteldeutsche Zeitung Dessau | 20.09.2009

Feuerkörbe mahnen an der Elbe

Naturschützer kämpfen an insgesamt 25 Orten gegen den Ausbau des naturnahen Flusses

VON STEFFEN BRACHERT

DESSAU/MZ. 2003 konnten Fußball-Fans damit ein Zeichen setzen. St. Pauli, der Kultclub von der Hamburger Reeperbahn, brauchte 1,95 Millionen Euro, um den Absturz in die Oberliga zu verhindern. 140 000 Retter-T-Shirts wurden verkauft und brachten 900 000 Euro in die klammen Kassen.

2009 trägt Iris Brunar dunkelgrün. "Gartenreichretter" steht groß draufgedruckt. "Kein Schotter für die Elbe" mahnt es etwas kleiner gleich darunter. Kurz vor 19 Uhr ist es, als die Sprecherin der Bürgerinitiative Pro Elbe am Ufer der Dessauer Elbe wartet und ein paar bange Blicke zum Fluss wirft, als dort die Wasserschutzpolizei naht. Irgendwo an der Elbe hat ein Ordnungsamt ein Mahnfeuer verboten. In Dessau schippern die Beamten an zwei brennenden Feuerkübeln einfach vorbei.

An 25 Orten entlang der Elbe von Pirna bis Cuxhaven loderten am Sonnabend die Flammen. Ein Netzwerk aus Flussschützern, darunter Umweltverbände, Bürgerinitiativen, Kirchen, Parteien und Gewerbevereinen, setzte damit eine Woche vor der Bundestagswahl ein Zeichen für den Schutz des Flusses und seiner einmaligen Flusslandschaft, zu der in Dessau das Unesco-Welterbe "Dessau-Wörlitzer Gartenreich" sowie das Biosphärenreservat "Flusslandschaft Elbe" gehören. 2 000 Menschen protestierten deutschlandweit. In Dessau sind anfangs nur ein paar wenige vor Ort, ehe plötzlich Dutzende Menschen den beschwerlichen Kopfsteinpflasterweg hin zur Anlegestelle am Kornhaus auf sich nehmen. Als Brunar beginnt zu reden, lauschen über 100 Elbeschützer. Allen geht es darum, Schaden vom Fluss abzuwenden.

Brunar weiß um das Problem: Wenn heute irgendwo Schotter abgelagert und der Fluss dadurch eingeengt und schneller wird, dann sind die Auswirkungen erst in ein paar Jahren spürbar. Ausbau oder Reparatur? Es ist ein alter Streit, "eine Definitionssache", wie Brunar feststellt. Wenn ein gerade aufgetauchtes Arbeitspapier von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nun aber als Ziel formuliert, den Wasserstand der Elbe zu stabilisieren und den Fluss ganzjährig schiffbar zu machen, beunruhigt das die Umweltschützer zusätzlich. "Wir wollen zeigen", sagt Brunar, "dass wir das nicht wollen." In Dessau sind die Elbeschützer seit Jahren aktiv. "Das", lobt Brunar die vielen Mitstreiter, "ist ein ganz außergewöhnliches Engagement."

Claudia Dalberg, Landesvorsitzende von Bündnis 90 / Grüne, kann das nur unterstützen. "Vor der Wahl wird plötzlich ein Brandpapier nach dem anderen aus den Schubladen gezogen", kritisiert die hallesche Hochschul-Professorin, die ihren Besuch fast immer ins Gartenreich entführt, um dann am Ende auf der Terrasse im Kornhaus einzukehren. "Die Elbe ist für mich ein Herzensthema."

In Halle, Dalbert ist dort Direktkandidatin, kämpfen Umweltschützer seit Jahren gegen den Saale-Kanal. "80 Millionen Euro sollen dort unsinnig investiert werden", schimpft die Bündnisgrüne - und fürchtet, dass damit am Ende Baumaßnahmen in der Elbe gerechtfertigt werden sollen. Der Besuch in Dessau ist deshalb nur logisch, natürlich aber auch Wahlkampf. Brunar hatte auch alle anderen lokalen Bundestagskandidaten eingeladen. Einer hatte wenigstens abgesagt.


Mitteldeutsche Zeitung Köthen | 20.9.09

Feuer an der Elbe mahnen zum Schutz der Natur

An 20 Orten entlang des Flusses setzen sich Umweltschützer für den Erhalt der Elbauen ein

VON CLAUS BLUMSTENGEL

AKEN/STEUTZ/MZ. Die einen nennen es Erhaltungsarbeiten und Reparaturen im Interesse der Binnenschifffahrt, die anderen sagen dazu Ausbau der Elbe. Letztere haben sich am Sonnabend bei einer Aktion des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) und des "Netzwerkes Elbe" mit mehr als 20 Mahnfeuern an den Ufern zwischen Dresden und Cuxhaven für den Schutz des Flusses und der Elbauen eingesetzt. Ein solches Feuer, um das sich 65 Frauen, Männer und Kinder scharten, loderte am Steutzer Elbufer, pikanterweise auf einem Grundstück des Wasser- und Schifffahrtsamtes Dresden, das seit Jahren Buhnen und bestimmte Uferzonen mit Steinen befestigen lässt.

Das Steutzer Feuer war diesmal kleiner als im vorigen Jahr. Wegen des in Anhalt-Bitterfeld geltenden Brennverbots dürfe es nur in kleinen Feuerschalen lodern, erklärte die Steutzerin Monika Sauer vom Naturschutzbund Deutschland (NABU), die die Teilnehmer begrüßte. Die Wasserrahmenrichtlinie der EU sage, dass alle Nutzungsarten mit der Natur in Einklang zu bringen seien, der Tourismus werde in das Konzept für die Elbe aber nicht einbezogen, kritisierte sie. Die Elbe-Aktivisten befürchten, dass mit der angestrebten Vertiefung der Wasserstraße - laut eines Konzepts aus dem Bundeswirtschaftsministerium auf 2,80 Meter - der Grundwasserspiegel fällt und die Auenwälder austrocken. Sie sehen dadurch eine "erhebliche Gefährdung des Unesco-Welterbegebietes Dessau-Wörlitzer Gartenreich und des Unesco-Biosphärenreservates".

Die Elbe werde nur als Wasserstraße betrachtet. Dabei sei der Elberadweg der beliebteste Radweg Deutschlands und habe damit durchaus wirtschaftliche Bedeutung, führte der Zerbster Stadtrat Claus-Jürgen Dietrich (Bündnis '90 / Die Grünen) aus. Zerbst liegt ab 2010 an der Elbe, da Steutz in die Stadt eingemeindet wird. "Die Steinigung der Elbe muss ein Ende haben", forderte er unter Anspielung auf die Buhnenbefestigungen. Dietrich sprach von einem drastischen Rückgang der Schiffstransporte und meinte, die Elbe sei für den Gütertransport uninteressant geworden.

"Diese Aktion gemeinsam mit den Steutzern zu machen, ist uns wichtig", sagte der Akener Frank Lehmann vom NABU Köthen. Es gebe auch in der Hafen- und Schifferstadt Aken Menschen, die das Anliegen der Elbe-Schützer teilen, "aber das ist sicher nicht die Mehrheit", räumte Lehmann ein. Mit ihm hatten zum Beispiel die Vorsitzende des NABU-Kreisverbandes, Alexa Sabarth, das Mitglied von Bündnis '90 / Die Grünen Barbara Erfurth und Pfarrer Dietrich Lauter aus Köthen mit der Fähre übergesetzt. Die Bewahrung der Schöpfung sei ständig Thema in seiner Kirchengemeinde, sagte der Pfarrer. "Ich komme vom Rhein und kenne eine ausgebaute Wasserstraße. Ich fände es traurig, wenn die Elbe auch mal so aussehen würde", äußerte Lauter, und meinte man müsse zwischen wirtschaftlicher Nutzung und Naturschutz abwägen.

"Man muss etwas für die Elbe tun", begründete Karin Hybotter vom Verein "Ländliches Leben Steutz / Aken" ihre Teilnahme am Mahnfeuer. Dann mussten die Akener und Köthener schon mit der letzten Fähre übersetzen. "Eigentlich könnten sie ja durchlaufen", meinte jemand. Die Wassertiefe betrug an der Fährstelle am Sonnabend gerade mal 87 Zentimeter.

 

Mitteldeutsche Zeitung Coswig | 20.9.09

Fackel schwimmt ans andere Ufer

Mahnfeuer lodert zu Füßen des Coswiger Schlosses gegen den Ausbau der Elbe

COSWIG/MZ/HG. Zwei der Coswiger Elbeschwimmer, Heide Lewerenz und Pfarrer Stefan Grötzsch, absolvierten am Sonnabend ihre beinahe tägliche Strecke im Fluss unter großem Beifall zu einer ganz besonderen Zeit. Nämlich, als sich rund 250 Freunde der Elbe zu Andacht und Mahnfeuer einfanden.

Der Pfarrer mahnte dann in seiner Predigt zum vernünftigen, sensiblen Umgang mit dem letzten freifließenden Strom in Deutschland. Er erinnerte an die Baumaßnahmen an der unteren Havel, die vor Jahren erfolgten und erheblichen ökologischen Schaden anrichteten. "Die Kostbarkeit Elbe muss auch unseren Kindern erhalten bleiben", meinte er angesichts der Forderung von Bundeswirtschaftsminister Guttenberg, die Bundeswasserstraßen auf eine Tiefe von 2,80 Metern auszubauen. Unmittelbar zuvor hatten Torsten Kettritz aus Dessau und Claus Rainer Wolter aus Zieko ebenfalls schwimmend die an der Rousseau-Insel entzündete Fackel von der Wörlitzer Seite ans Coswiger Ufer gebracht. Wo letztlich ein großes Mahnfeuer entfacht wurde. Etwa 50 Fackeln brannten am anderen Ufer, spiegelten sich im Wasser und dazu ertönte Blasmusik.

Einer der Ideengeber für diese Aktion, die dann von BUND und Bürgerinitiative "Pro Elbe" organisiert wurde und an der sich 25 Orte entlang des Flusses beteiligten, war Harald Köbel. Er freute sich ganz besonders, dass zahlreiche Wörlitzer und weitere Anlieger des Gartenreiches sich daran beteiligten. Ein Vertreter der Bürgerinitiative Pro Elbe, in der kirchliche und weltliche Interessenten zusammenarbeiten, sprach für das Ziel, den Strom zu erhalten. Die Schifffahrt ist dabei aufgefordert, die Schiffe dem Fluss anzupassen, nicht den Fluss den Schiffen.

Die Guttenberg-Pläne, unter anderem den Elbe-Wasserstand für die Schifffahrt zu stabilisieren, thematisierte auch Stefan Krabbes, Kandidat zur Bundestagswahl von Bündnis 90 / Die Grünen. Vertreter der anderen Parteien waren trotz Einladung nicht erschienen, bedauerte Harald Köbel. Hier hätten sie die Chance gehabt, ihre Vorstellungen zur Elbe mit ihren Wählern zu diskutieren. "Wir hatten diesmal gar nicht den Schwerpunkt auf die ökologischen, sondern auf die ökonomischen Folgen des Flussausbaus gelegt", konkretisierte der Mitorganisator.

Er zeigte in Bildern Beispiele, wie sich ein Absinken des Wasserspiegels im Zuge der Vertiefung auf die Natur und besonders den Wörlitzer Park auswirken würde. Friedhelm Schulze fasste seine Aussagen dann kurz und knapp zusammen: "Lasst die Elbe, so wie sie ist, dann sind wir zufrieden."


Mitteldeutsche Zeitung | 19.09.2009

Mahnfeuer gegen Elbe-Ausbau für Schifffahrt

BUND-Verband befürchtet nach «Guttenberg-Papier»
Rückfall in betonorientiertes Denken

MAGDEBURG/DPA. Mit Mahnfeuern von Dresden bis Cuxhaven will der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) am Samstag gegen den Ausbau der Elbe für die Schifffahrt protestieren. Der Verband befürchtet, dass der Fluss in den nächsten Jahren kanalisiert und vertieft werden könnte, wie BUND-Flussexperte Ernst Paul Dörfler am Freitag der dpa in Magdeburg sagte. Er verwies auf das kürzlich bekanntgewordene sogenannte Guttenberg-Papier für eine nachhaltige Industriepolitik. In dem Konzept aus dem Hause von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) werden eine «Stabilisierung der Wasserstände der Elbe» und 2,80 Meter Tiefe für alle Bundeswasserstraßen vorgeschlagen.

«Für die Flusspolitik bedeutet dies einen Rückfall in das alte, betonorientierte Denken», sagte Dörfler. «Die Wasserstände eines Flusses wie der Elbe, dessen Pegel ganz natürlich zwischen Hoch- und Niedrigwasser schwanken, stabilisieren zu wollen, ist nicht machbar, ohne den Fluss in Mauern und Staustufen einzuzwängen.» Als Folge seien eine Zerstörung der natürlichen Flusslandschaft inklusive des UNESCO-Welterbes im Dessau-Wörlitzer Gartenreich, ein erhöhtes Hochwasserrisiko und ein Rückgang des Tourismus an der Elbe zu befürchten. Ob das Konzept umgesetzt wird, ist allerdings unklar.
Mahnfeuer sind laut BUND in mehr als 20 Orten entlang des Flusses geplant, unter anderem in Dresden, Riesa, Dessau-Roßlau, Magdeburg, Wittenberge, Hitzacker und Cuxhaven. Beteiligt seien Initiativen, Verbände, Kirchenvertreter und Politiker. Umweltschützer machen seit Jahren gegen Elbe-Bauprojekte wie auch gegen den geplanten Kanal am Zusammenfluss von Elbe und Saale mobil.

Seit dem Jahrhunderthochwasser 2002 wird der Fluss offiziell nicht mehr für die Binnenschifffahrt ausgebaut. Bei der Befestigung von Ufern und der Reparatur von Buhnen handelt es sich nach Lesart der Bundeswasserstraßenverwaltung um «Unterhaltungsmaßnahmen».

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