aktualisiert am Freitag, 15 Mai, 2009

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Märkische Allgemeine | 13.05.2009

WIRTSCHAFT: Argumente pro und contra Hafenausbau

BUND und Stadt im Gespräch

WITTENBERGE - Mit dem geplanten Ausbau des Wittenberger Industriehafens riskiere die Stadt eine Fehlinvestition. Davor warnt Ernst-Paul Dörfler, Leiter des Elbeprojektes beim Bund für Umwelt und Naturschutz. Seiner Überzeugung nach „lässt das Niedrigwasser der Elbe einen rentablen Güterverkehr nicht zu“, sagte Dörfler bei einem Gespräch in Wittenberge.

Für die Stadt, die gemeinsam mit Vertretern der örtlichen Wirtschaft die Hafenentwicklungsgesellschaft gegründet hat, hörte sich Bürgermeister Oliver Hermann die Argumente der Naturschützer an. Inhaltlich teilt er sie nicht, wie er der MAZ erläuterte. „Uns ist bewusst, dass die Elbe ein Fluss ist, der auch über längere Zeit Niedrigwasser führt“, sagte Hermann. „Aber wir wollen ja auch keinen Hochseehafen bauen. Der Bedarf an Transportkapazität kommt aus der hiesigen Wirtschaft. Dem wollen wir Rechnung tragen. Erst im Verbund mit dem Schienen- und dem Straßentransport ergeben sich die angestrebten Vorteile“, meinte er.

Während Ernst-Paul Dörfler den Aus- und Neubau auf dem Gelände an der Hafenspitze ausdrücklich begrüßt, ist er wesentlich skeptischer, was die Notwendigkeit des Hafenausbaus angeht. „Selbst ein nur zweilagiger Containerschiffsverkehr auf der Elbe ist über vier Monate im Jahr nicht möglich“, mahnt Dörfler. Zudem hält er vom Konzept, den Verkehr in Wittenberge vom Schiff auf Schiene oder Straße zu verlagern, wenig. Die Hafenentwickler gehen ja davon aus, die Ladung von Wittenberge aus in Richtung Berlin und weiter östlich per Bahn oder Lkw zu transportieren. Aber wenn man Verkehrsströme auseinander reißt, verursacht das immer höhere Kosten.“

„Ich bin froh, dass Oliver Hermann und Ernst-Paul Dörfler überhaupt miteinander ins Gespräch gekommen sind und sich noch einmal über das Thema verständigen wollen“, sagte Jeanette Fischer von der Biosphärenreservats-Verwaltung Elbe-Brandenburg. Sie wohnte dem Gespräch als Vermittlerin bei. „Wir unterstützen alle Bemühungen, dieser Stadt wieder Leben einzuhauchen“, sagte sie. Allerdings dürfe die Elbe nicht ausgebaggert werden.

Trotz zunächst unüberbrückbar erscheinender Gegensätze wolle man weiter Argumente austauschen, versicherten sich Vertreter von Stadt und BUND. Allerdings sind dem Naturschutzverband in der Frage des Hafenausbaus die Hände weitgehend gebunden. Anders als etwa beim Bau der A14, gegen den der BUND bekanntermaßen abschnittsweise Klage erheben will, ist beim Wittenberger Vorhaben nicht einmal eine Stellungnahme notwendig. Da das Gelände an der Hafenspitze seit jeher zum Industriegebiet gehört und die bisher geplanten Eingriffe in die Natur vergleichsweise gering sind, ist kein große umweltpolitische Prüfung erforderlich.

Doch Dörfler wendet sich auch gar nicht in erster Linie gegen das Wittenberger Vorhaben, sondern gegen mögliche Konsequenzen. „Wenn der Hafen erst einmal da ist und die Schiffe wegen Niedrigwassers ausbleiben, kommt der Ruf nach dem Ausbaggern“, meint Dörfler. Aber selbst das nutze nichts, weil die Wassermenge gleich bleibe. (aka)

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