aktualisiert am Mittwoch, 3 Dezember, 2008

Aktuell Medien-Echo

Hintergrund

Archiv Links Kontakt

Mitteldeutsche Zeitung Köthen | 30.11.2008 | von Stefanie Greiner

Fackeln leuchten an der Elbe
Natur- und Umweltschützer fordern bewussteren Umgang
mit dem Fluss

AKEN/MZ. "Ich liebe die Elbe. Ich bin hier aufgewachsen", erzählte Matthias Liebe und erinnerte sich an seine Kindheit. Noch heute genießt er die Ruhe der Landschaft. Der Akener war einer der rund 40 Teilnehmer, die sich am Samstagabend am Fährhaus eingefunden hatten, um für den Erhalt des naturnahen Flusses einzutreten.
In 33 Städten entlang der Elbe wurden Lichter und Fackeln entzündet, die ein Zeichen gegen geplante Baumaßnahmen setzen sollten. "Fackeln für die Elbe" ist eine Aktion des "Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland" (BUND), an der sich deutschlandweit mehr als 100 Organisationen sowie Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft beteiligten. "Wir wollen auf die Situation an der Elbe aufmerksam machen. Es ist wichtig, dass dieser Fluss erhalten bleibt", betonte Ines Wittig, Mitglied des Naturschutzbundes (NABU) in Köthen. Man sei grundsätzlich nicht gegen die Schifffahrt auf der Elbe, sondern wolle zu einem bewussteren Umgang mit der Landschaft aufrufen. "Der Fluss wird dem Schiff angepasst. Sollte es nicht vielmehr umgekehrt sein?", bemerkte die Köthenerin und sprach sich gegen eine Vertiefung und Einengung der Elbe aus.

In einem Schreiben des BUND wird darüber informiert, dass durch Steinschüttungen an den Elbufern EU-rechtlich geschützte Lebensräume zerstört würden. Eine Vertiefung des Flusses habe ein Absinken des Grundwasserspiegels zur Folge. "Damit wird weiteren geschützten Lebensräumen, wie Auenwäldern und Altarmen, das Wasser abgegraben", heißt es weiter. "Sind diese Ausbaumaßnahmen unbedingt notwendig?", fragte sich Ines Wittig.

Einer, der die ganze Problematik von einer anderen Seite betrachtet, ist Reinhard Busse. Der Akener arbeitet für das Getreidesilo. "Für uns ist die Elbe ein wichtiger Transportweg", entgegnete er. Busse erklärte, dass die Frachtbeförderung mit Hilfe von Schiffen
umweltschonender sei, als eine entsprechende Anzahl an Lastkraftwagen auf die Straßen zu schicken. Dieses Argument schlug Ines Wittig nicht gänzlich aus, betonte jedoch die Notwendigkeit eines Kompromisses im Sinne des Biosphärenreservates. "Es sollte naturnah mit der Elbe umgegangen werden", hob sie hervor. Auch Kreisoberpfarrer Dietrich Lauter liegt die Naturbelassenheit der Landschaft am Herzen. "Es ist eine Bereicherung der Schöpfung", bemerkte der Kirchenvertreter.

Unter die Teilnehmer am Akener Elbufer hatten sich auch einige Jugendliche gemischt. "Man weiß, was man verliert", kommentierte der 16-jährige Severin Marschner aus Aken die drohende Gefahr für die Flora und Fauna der Elbe. "Einen solchen Prozess kann man nicht wieder rückgängig machen", bekräftigte die 20-jährige Jessica Montag. Die Erhaltung des Biosphärenreservates sei aus diesem Grund von entscheidender Bedeutung. "Es sollte aber nicht nur heute, sondern immer ein Zeichen gesetzt werden", betonte die Akenerin.

Auch am gegenüberliegenden Elbufer bei Steutz hatten sich viele Interessierte eingefunden. Ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene, Akener oder Steutzer - die Elbauen als naturnahes Erholungsgebiet möchte keiner von ihnen missen. Der BUND hat seine Forderungen klar formuliert: "Steinschüttungen an den Elbufern beenden, Vertiefung stoppen." "Die Schifffahrt muss sich den Flüssen anpassen!" Zudem müsse die Heimlichtuerei aktueller Planungen ein Ende haben. "Das Europäische Naturschutzrecht und die EU-Wasserrahmenrichtlinien sind zu berücksichtigen", geht aus einem Schreiben des BUND hervor.

…zur Übersicht

…zur Übersicht

impressum