Volksstimme Magdeburg, 2.10.08
Monatelanges extremes Niedrigwasser in der Elbe /
Schiffsführer Gerhard Hofrichter: "Nie da gewesen"
Von Karl-Heinz Kaiser
Magdeburg. Gestern 12 Uhr beendete die "Dresden" ihre Zwangspause am Anleger im Wissenschaftshafen. Der Elbpegel hatte zumindest eine Langsamfahrt mit leeren Kabinen zugelassen. 10 Wochen lang hatte das Kreuzfahrtschiff der Deilmann-Reederei vor Anker gelegen – sie wäre bei Weiterfahrt auf Grund gelaufen.
Das Ende der Elbpartie der "Dresden" in Magdeburg ist nur die Spitze vom Eisberg: Über Wochen anhaltendes Niedrigwasser habe den Kreuzfahrtanbieter gezwungen, weitere Schiffe stillzulegen, sagte gestern Jörg Liedtke von der Deilmann-Reederei bei Lübeck. Die Passagiere wurden entschädigt. Die Verluste sind enorm.
Ähnlich ergeht es der Weißen Flotte GmbH Magdeburg. Zwar hatte die Mannschaft um Geschäftsführer Peter Fechner durch Umverlagerung der Abfahrten vom Petriförder zum Kanal einen Totalausfall verhindert. Dennoch: Im August gingen insgesamt 2500 Fahrgäste weniger als im Vorjahr mit der Flotte auf Reisen.
Für Fechner und seinen Koordinator Ralf Kurth mehr als bedauerlich: Das Ziele, das Vorjahresergebnis noch zu halten und zu überbieten, ist so weit in die Ferne gerückt. Dabei hatte die Flotte noch im Juli steigende Tendenz gemeldet. Mit über 23 000 Passagieren hatte sie bis dahin 3000 mehr als bis zum gleichen Termin des Vorjahres befördert. Ab August blieben trotz intensiven Gegensteuerns die Passagiere scharenweise weg. Schiffsführer Gerhard Hofrichter von der MS Stadt Magdeburg beklagte: In seinen 40 Dienstjahren habe er dauerhaft solche niedrigen Wasserstände der Elbe noch nicht erlebt.
Ulf Möbius vom Wasser- und Schifffahrtsamt meldet jedoch "Land in Sicht". In den nächsten Tagen und Wochen gehen die Pegelstände wieder nach oben, kannte er Prognosen. Gestern wurden 82 Zentimeter gemessen. Der niedrigste Stand in Magdeburg wurde am 22. September mit 69 Zentimetern gemessen, wusste er. Laut Möbius hätten die Beräumung der Fahrrinne und andere Unterhaltungsarbeiten die Bedingungen für die Schifffahrt noch einigermaßen erleichtert. Dass der Containerverkehr in der Niedrigwasserperiode praktisch nie vollständig zum Erliegen kam, freut ihn besonders.
BUND-Anmerkung:
Zitat Klaus Schröter, Geschäftsführer Hafenbetrieb Aken, Supersonntag 23.7.00
Verluste durch Niedrigwasser: "Abladetiefen von einem Meter bis 80 Zentimerter ermöglichen keinen wirtschaftlichen Schiffsverkehr"
"Allein der Containertransport erfordert einen riesigen Aufwand. Wir brauchen im Augenblick den fünffachen Schiffsraum als bei normalen Wasserständen, dass lässt sich kaum noch rechnen".
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