aktualisiert am Mittwoch, 3 September, 2008

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Panorama Nr. 701 | 28.08.2008

Versenkte Milliarden – sinnlose Subventionen für die Binnenschifffahrt im Osten

Anja Reschke:
„Wissen Sie, wo die deutsche Einheit wirklich toll funktioniert? Wo wirklich starke
Verbindungen zwischen Ost und West geschaffen wurden? Auf den Flüssen! Also, die
Binnenschifffahrt von West nach Ost könnte laufen, was die Motoren so hergeben.
Da wurden Flüsse begradigt, Schleusen gebaut, Schiffshebewerke errichtet, Zweitschiffshebewerke geplant, Häfen ausgehoben für Milliarden. Toll. Alles, was moderne
Binnenschifffahrt so braucht, kann man auf ostdeutschen Flüssen bewundern. Das einzige, was dort jetzt noch fehlt zum perfekten Glück sind Schiffe. Und ob die noch kommen, ist sehr fraglich. Janina Kalle über Subventionen für die Binnenschifffahrt, die sich wohl niemals rechnen werden.“

Der Hafen Halle: Vor sieben Jahren wurde er aufwändig ausgebaut. Für über 30 Millionen
Euro Steuergelder.

Stefan Böttinger, Stadtwerke Halle:
„Wir können hier im Hafen Halle vier Schiffe gleichzeitig abfertigen, d.h. sowohl
Containergut, Stückgut als auch Schüttgut.“

Einziges Problem: Es kommen fast nie Schiffe.

Stefan Böttinger, Stadtwerke Halle:
„Also, wir haben hier in den letzten Jahren immer mal wieder ein Schiff gehabt und auch
entladen, aber natürlich noch nicht in den Zahlen, wie wir es uns wünschen würden.“

Genau genommen: In den letzten zwei Jahren hat gar kein großes Schiff den Hafen
angelaufen. Wie auch? Die Saale, hier in der Mitte im Bild, ist aufgrund von Staustufen
kaum zu befahren. Das soll sich jetzt ändern. Karl-Heinz Daehre, Verkehrsminister von
Sachsen-Anhalt, wirbt für ein neues Projekt.

Karl-Heinz Daehre, Verkehrsminister Sachsen-Anhalt:
„Ja, wir wollen jetzt den Hafen in Halle zugänglicher machen, indem wir einen Kanal
planen, damit die Saale schiffbar gemacht werden kann, und damit wir auch Güter dann
von der Straße auf die Wasserstraße verlagern können.“

Ein neuer Kanal. So kann man die Staustufen umfahren. Ob dann mehr Schiffe kommen?
Die Elbe ist das nächste Problem. Südlich von Hamburg ist der Fluss viel zu flach für große Containerschiffe. 65 cm Wassertiefe – viel mehr sind es im Sommer nicht.

Prof. Hans-Ulrich Zabel, Wirtschaftswissenschaftler:
„Der Bereich, in dem die Elbe rentabel befahrbar ist im Jahr, wird sich weiter verringern. Im
Moment sind es 111 Tage, an denen Transporte möglich sind mit einer Wassertiefe von
2,30 Meter bis 2,50 Meter. Diese Zahl hat sich verringert und wird sich weiter verringern.“

Karl-Heinz Daehre:
„Das reicht immer noch aus, wenn es der Tiefgang zulässt, dass wir dann diese Schiffe
noch einsetzen können, um die Straßen zu entlasten.“

Bisher allerdings ist der Schiffsverkehr auf der Elbe noch sehr übersichtlich.

Angler, der am Ufer sitzt:
„Wenn ich hier sitze, manche Tage kommt gar keiner vorbei. Und wenn das Wasser höher
ist, dann kommen mal drei, vier Tschechen und von den Deutschen höchstens zwei, drei
vorbei. Die kenne ich alle persönlich. Albern.“

Das ist nicht nur albern, sondern vor allem teuer.

Karl-Heinz Daehre:
„Im Moment liegen die Kosten zwischen 80 und 100 Millionen Euro für diesen Kanal. Das ist die Größenordnung, die im Moment geplant wird.“

Prof. Hans-Ulrich Zabel:
„Der Kanal ist auf alle Fälle nicht sinnvoll. Es ist ein absurdes Vorhaben, muss man sagen. Es gibt einen Verkehrsträger, die Bahn nämlich. Parallel dazu soll ein Verkehrsträger gebaut werden, der teuer und überhaupt nicht benutzbar ist.“

Die Bahn macht auch diesen Hafen eigentlich überflüssig, doch hier hat man aus der
peinlichen Lage eine neue Existenzberechtigung gemacht.

Stefan Böttinger:
„Im Moment sind wir eher ein Güterverkehrszentrum als ein Hafen, d.h. wir haben hier
einen regen Containerumschlag, allerdings vom LKW auf die Schiene.“

Und damit fährt Halle nach eigenen Angaben im Moment sehr gut. Fragt sich nur, warum
braucht die Stadt dann einen Hafen und einen Kanal? Für zusammen rund 130 Millionen
Euro.

Bericht: Janina Kalle | Kamera: Dirk Winde | Schnitt: Markus Ortmanns

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