Zum Interview mit den Leitern der Wasserstraßenämter zur Perspektive der Schifffahrt und zum Elbe-Saale-Kanal vom 12. August meldete sich Prof. Dr. Hans-Ulrich Zabel zu Wort. Die Volksstimme gibt hier Auszüge seiner Argumentation wieder:
Im Raumordnungsverfahren zum Bau des Saale-Kanals wird vorrangig auf ein Gutachten der Planco Consulting GmbH aus dem Jahre 2004 zurückgegriffen, das den Kanalbau befürwortet und ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 2,3 ausrechnet. Wissenschaftliche Untersuchungen unter Nutzung von Forschungsergebnissen des Helmholtzzentrums für Umweltforschung (900 Mitarbeiter in Sachsen und Sachsen-Anhalt), des Umweltbundesamtes, des Potsdam-Institutes für Klimafolgenforschung, des Institutes für Entsorgung und Umwelttechnik GmbH Heidelberg (IFEU), der INFRAS AG, des Institutes für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und des Wirtschaftswissenschaftlichen Bereiches der Martin-Luther-Universität kommen demgegenüber zu folgenden Ergebnissen:
Das Binnenschiff verursacht gegenüber der Bahn deutlich höhere Emissionen an klima- bzw. gesundheitsschädigenden Gasen. Dieser Befund wird durch Analysen mehrerer wissenschaftlicher Einrichtungen bestätigt. Die Wasserstände der Elbe erlauben keine ganzjährig rentable Schifffahrt von der Saale ausgehend über die Elbe. Das Unterhaltungsziel der Elbe ist auf eine Fahrrinnentiefe von 1,60 Meter ausgerichtet, die Schiffe benötigen aber für rentable Fahrten mindestens 2,30 bis 2,50 Meter Fahrrinnentiefe (nach übereinstimmenden Angaben der potenziellen Nutzer sind Schiffsladungen von mindestens 1.000 t notwendig, um diese rentabel zu machen und dafür sind 2,30-2,50. Meter Fahnlnnentiefe erforderlich). Nach Aussagen der Landesregierung wird diese Tiefe im Schnitt der letzten Jahre nur noch an 111 Tagen im Jahr erreicht, was eine rentable und genügend flexibel planbare Nutzung des Binnenschiffes ausschließt. In den Planungsunterlagen werden demgegenüber zur Prognose der Wasserstände der Elbe die Wasserstände der Jahre 1971 bis 2000 (innerhalb derer in den 1970er und 1980er Jahren „Nässejahre" zu verzeichnen waren) herangezogen, was zu völlig unrealistisch hohen, von der Wirklichkeit längst eingeholten Werten führt. Die auf diesen falschen Werten basierende Einschätzung der ganzjährig rentablen Schiffbarkeit der Elbe ist deshalb ebenfalls falsch. Der reale Nutzen des Kanalbaus an der Saale dürfte deshalb nahe null liegen.
Fazit: Der Bau des Saale-Kanals rechnet sich nicht und ist somit eine nicht akzeptable Steuergeldverausgabung. Außerdem erzeugt der Kanalbau erhebliche ökologische Schäden bzw. Kosten und Nutzeneinbußen. Der Bau des Saale-Kanals ist deshalb auch im Interesse der zukünftigen Generationen zu unterlassen.