FAZ | 17.08.2008
Geplanter Havelausbau
Von Regina Mönch
Gegen die überdimensionierten Ausbaupläne für die Havel, ihre Seen und Kanäle, die eine Wasserautobahn mitten durch die preußische Kulturlandschaft um Potsdam und Sanssouci zum Ziel haben, formiert sich immer größerer Protest. Immerhin wurde das Planfeststellungsverfahren für Teile des milliardenteuren Projektes Nr. 17 vom Bundesverkehrsministerium gestoppt, was jedoch brandenburgische Politiker unbeeindruckt lässt: Sie genehmigten jetzt den dazugehörenden, hochumstrittenen Sacrow-Paretzer-Kanal (siehe auch: Flutalarm im Havelland, das Welterbe sinkt ).
Die ersten Klagen dagegen werden vorbereitet, drohen doch neben der wirtschaftlichen Fragwürdigkeit vor allem irreparable Schäden in einer kunstvollen Landschaft und ihrer ebenfalls unter Schutz stehenden Natur.
Nur die Nutzenprognosen wurden bislang nach unten korrigiert
In diesem Sinne hat jetzt auch der Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag, Hans-Joachim Otto (FDP), eine Anfrage an die Bundesregierung gestellt, mit deren Antwort noch vor Ende der Parlamentsferien gerechnet werden darf. Otto fragt nicht nur, ob die Bundesregierung ausschließen kann, dass der Kanalausbau bei Sacrow und Potsdam das Weltkulturerbe (Kirchen, Schlösser und Parklandschaften) gefährde. Er sieht diese Gefahr auch an der Mittelelbe, an der durch einen nicht einmal öffentlich kommunizierten Elbeausbau das Gartenreich Dessau-Wörlitz, ebenfalls Weltkulturerbe, betroffen zu sein scheint: 43 Flusskilometer, einschließlich Auenwälder und Deichlandschaften, für den Hochwasserschutz.
Erstmals fragt der Kulturpolitiker auch nach Kosten-Nutzen-Analysen, da allgemein in Zweifel gezogen wird, dass sich längs des Flusses plötzlich Wirtschaftswunderoasen aus dem Havelsand erheben könnten. Die Prognosen über das Verkehrsaufkommen in dieser Region mussten mehrfach nach unten korrigiert werden, nicht aber die in Aussicht gestellten Gelder.
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