MZ 22.07.2008 | von Thomas Steinberg, 22.07.08
«Dialog im Boot»: Umweltschützer und Politiker fahren von Brambach nach Aken
Brambach/MZ. Bruni Irber ist das Thema seit drei Jahrzehnten vertraut. Der SPD-Bundestagsabgeordneten aus dem niederbayrischen Deggendorf geht es um 61 Kilometer Donau - die letzten Kilometer des Flusses, die noch nicht mit Staustufen verbaut sind.
Seit vorigem Jahr hat Irber Gleichgesinnte um sich geschart, ist sie Vorsitzende der Parlamentariergruppe "Frei fließende Flüsse". 31 Abgeordnete gehören ihr an - außer der CDU / CSU sind alle Bundestags-Parteien vertreten.
Am Dienstag sitzt Irber gemeinsam mit ihrem FDP-Kollegen Horst Meierhofer, mehreren Landespolitikern und Umweltschützern in einem Boot und lässt sich im Fußgängertempo die Elbe hinuntertreiben. Eingeladen haben der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und die Bürgerinitiative Pro Elbe. Beider Bestreben seit nunmehr 16 Jahren: die fortschreitenden Ausbaumaßnahmen entlang der Elbe zu stoppen.
Den "Dialog im Boot" gab es nicht zum ersten Mal. Doch dass der Elbausbau auf verstärktes und parteiübergreifendes Interesse stößt, das gab es seit der großen Elbe-Flut nicht mehr, der ein Ausbau-Moratorium folgte. Doch längst werden wieder Buhnen und Ufer geschottert, als sei nichts geschehen.
Vor dem Ausflugslokal Elbterrassen Brambach liegt am Dienstag ein Schubschiff. Darauf ein Bagger. Mit der Schaufel in den Grund gekrallt, zieht er das Schiff näher an die Buhne, greift einige Male in den Schotterhaufen - dann dreht die Domarin 10 wieder ab. Es wirkt, als habe die Wasserstraßen- und Schifffahrtsdirektion den Maschineneinsatz präzise abgestimmt auf den Start der Schlauchboottour.
Zwischen Ausbaubefürwortern und Ausbaugegnern gibt es einen Grundsatzstreit: Lohnt der Ausbau wirtschaftlich? 1,60 Meter ganzjährig durchgängige Tauchtiefe sind als Ziel vorgegeben - gestern hat die Elbe gerade einmal 1,30 Meter. "Die Elbe", sagt BUND-Mann Ernst Paul Dörfler, "ist ein Niedrigwasserfluss. Und wird es in Zeiten des Klimawandels immer mehr." Die 1,60 Meter sind ohne massiven Ausbau nicht zu erreichen - "hier wird die Wirtschaft einfach belogen". Und selbst 1,60 Meter würden lauf Dörfler der Schifffahrt nicht wirklich helfen: In der Donau etwa geht es um Tauchtiefen von 2,80 Meter.
Doch Ernst Paul Dörfler fürchtet die Macht des Faktischen. Derzeit läuft ein Planungsverfahren für den Saale-Elbe-Kanal. Würde der erst gebaut sein, käme wohl bald die Forderung, mehr an der Elbe zu tun. "Das ging nur mit Kanalisierung, von der heute natürlich niemand sprechen will."
Während die Auenlandschaft am Schlauchboot vorbeizieht, beschwört Dörfler die ihr mit einem weiteren Ausbau drohenden Gefahren: Der Wasserpegel würde sinken, die Aue austrocknen und verschwinden.
Grund genug für BUND-Chef Hubert Weiger, gestern von Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre die Einstellung des Planungsverfahrens für den Saale-Elbe-Kanal zu fordern. Die Elbe sei der ökologisch bedeutendste Fluss Mitteleuropas. Seien schon die jetzigen Maßnahmen auch unter ökonomischen Gesichtspunkten überzogen, wäre der Kanal der Sargnagel für den Fluss.
Der hat die Ruhe weg. Anderthalb Stunden dauert die Fahrt des Schlauchboots von Brambach bis Aken. Die einzigen Schiffe, die in dieser Zeit zu sehen waren, waren im Auftrag der Wasserstraßen- und Schifffahrtsdirektion unterwegs.
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