aktualisiert am Freitag, 8 August, 2008

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UFZ Pressemitteilung | 17.06.2008 | von Tilo Arnhold

Wirtschaftlichkeit des Ausbaus der Saale immer noch fraglich

Leipzig. Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) haben im Streit um den Ausbau der Saale vorgeschlagen, die Wirtschaftlichkeit dieses Vorhabens neu zu berechnen. Aus Sicht der Forscher ist es problematisch, wenn in dem eingeleiteten Raumordnungsverfahren die Prüfung auf der Grundlage einer veralteten und methodisch zweifelhaften Wirtschaftlichkeitsberechnung erfolgt. Wenn die Prognose für die Transportmengen und die Schiffbarkeit von Elbe und Saale aktualisiert würde, dann könne dies ein deutlich schlechteres Nutzen-Kosten-Verhältnis ergeben als in einem Gutachten von 2004 zuletzt prognostiziert. In diesem Fall würde sich die Investitionssumme von 80 Millionen Euro dann nicht mehr lohnen, und die Pläne für den Bau eines Schleusenkanals bei Tornitz am Unterlauf der Saale sollten nicht weiter verfolgt werden.

2005 veröffentlichte das UFZ die Ergebnisse einer mehrjährigen Studie zum Ausbau der Saale. Die Forscher kritisierten darin massiv die mangelnde Transparenz der Bundesverkehrswegeplanung und der zugrunde liegenden irtschaftlichkeitsberechnungen.

Vor dem Hintergrund dieser Studie haben die Forscher das derzeit laufende Raumordnungsverfahren in den Blick genommen. In dem Verfahren soll geprüft werden, ob der Saaleausbau im öffentlichen Interesse liegt. Denn ob sich die 80 Millionen Euro teuren Investitionen an der Saale lohnen, hängt entscheidend von der Schiffbarkeit der Elbe ab. Nur wenn die Elbe genügend Wasser führt, ist die Saale mit dem Wasserstraßennetz verbunden. Wesentliche Grundlage für das Raumordnungsverfahren ist ein Gutachten der Firma PLANCO Consulting GmbH aus dem Jahre 2004 zur Wirtschaftlichkeit des Saaleausbaus. In diesem Gutachten wird der Zusammenhang der Schiffbarkeit von Elbe und Saale nicht ausreichend berücksichtigt. Es wird dort nämlich unterstellt, dass an allen Tagen, an denen die Elbe in einem wirtschaftlichen Maße schiffbar ist, und das ist laut PLANCO nur an 230-260 Tagen im Jahr der Fall, das Transportpotenzial für die Schifffahrt auf der Saale tatsächlich realisiert wird. Unternehmen und Schifffahrtsverbände haben jedoch immer wieder darauf hingewiesen, dass eine Belebung der Schifffahrt und damit die tatsächliche Verlagerung der Transporte an eine verlässliche, ganzjährige Schiffbarkeit gebunden sind.

Angesichts der nicht gesicherten Schiffbarkeit der Elbe ist zu erwarten, das viele Unternehmen der Schifffahrt in ihren Logistikkonzepten auch nach einem Ausbau der Saale keinen prominenten Platz einräumen. Zahlen unter anderem des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg zeigen, dass sich die Befahrbarkeit der Elbe verschlechtert hat, und Untersuchungen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung zufolge steht zu befürchten, dass sich diese im Zuge des Klimawandels auch zukünftig weiter verschlechtern wird. Weiterhin wurden in dem PLANCO-Gutachten die Verlagerungsmöglichkeiten von der Straße auf die Schiene nicht ausreichend ausgelotet.

Die UFZ-Forscher halten es für problematisch, wenn in dem eingeleiteten Raumordnungsverfahren die Prüfung, ob der Saaleausbau den landesplanerischen Erfordernissen entspricht, auf der Grundlage einer zweifelhaften Wirtschaftlichkeitsberechnung erfolgt. Sie fordern vielmehr, die Transportmengenprognose unter der Maßgabe einer adäquaten Berücksichtigung des Zusammenhangs zwischen der Schiffbarkeit von Elbe und Saale zu aktualisieren und die Wirtschaftlichkeit neu zu berechnen. Die Forscher wären nicht überrascht, wenn sich dabei gegenüber dem veralteten Gutachten herausstellen würde, dass diese 80-Mio.-Euro-Investition aus gesamtwirtschaftlicher Sicht nicht sinnvoll ist.

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