aktualisiert am Donnerstag, 20 Dezember, 2007

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Umweltbundesamt gegen Elbausbau vom 10.02.2006

Fragen an die Wasser-Experten

Umweltbundesamt: Keine Einzelfallberatung - Standards zur Gewässergüte werden entwickelt

von Jörg Müller, 14.02.06

Jörg Rechenberg (links) und Ulrich Irmer sind die Wasserexperten des Umweltbundesamtes in Dessau. (MZ-Foto: Lutz Sebastian)

Dessau/MZ. "Wir sind Lobbyisten für Gewässer", sagen Dr. Ulrich Irmer und Dr. Jörg Rechenberg. Sie arbeiten in der Abteilung Wasser des Umweltbundesamtes: Irmer leitet das Fachgebiet Binnengewässer, Rechenberg ist unter anderem für den Grundwasserschutz zuständig. Seit sie in Dessau sind, stellen sie fest: "Das Amt wird hier viel mehr in der Öffentlichkeit wahrgenommen als in Berlin." Das heißt nicht nur, dass viele Bürger das Gebäude besichtigen wollen - es gebe auch mehr Anfragen.

Dieses Interesse freut Rechenberg und Irmer - gleichwohl müssen sie immer wieder auf ihre gesetzlich festgelegten Aufgaben hinweisen. "Wir beraten das Ministerium und informieren die Öffentlichkeit über Umweltthemen." Eine Einzelfallberatung sei dagegen nicht möglich. "Wenn etwa jemand Streit mit einem Abwasserverband hat, geben wir nur allgemeine Informationen. Zu dem konkreten Fall können wir aber nichts sagen. Wir lassen uns nicht gegen die örltichen Behörden ausspielen." Als ein Beispiel, wie das Uba öffentlich wirkt, nennt Rechenberg eine Broschüre zum Thema Regenwasser. Darin werden Versickerung und Nutzung des Regenwassers mit Blick auf Vorteile, Risiken und Anforderungen erörtert. "Die Broschüre ist kostenlos."

Rechenberg ist Jurist, sein Fachgebiet befasst sich unter anderem mit Rechtsfragen zum Gewässerschutz auf Bundesebene. Ein Problem sei, dass der Bund bisher nur eine Rahmenkompetenz habe; die Ausführung regele jedes Bundesland für sich. Es zeichne sich allerdings ab, dass der Bund künftig auch die Qualitätsanforderungen formulieren werde. "Wir haben auch bisher schon versucht, auf eine Vereinheitlichung der Länderregelungen hinzuwirken, etwa durch die Mitarbeit an Musterverordnungen."

Die Mitarbeiter profitieren dabei stets vom geballten Sachverstand im Uba. "Der Charme des Hauses ist, dass wir Hand in Hand arbeiten", sagt der Biologe Irmer. In der Abteilung Wasser zum Beispiel sind Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen tätig, wie Biologen, Hydrologen, Geologen und Umwelttechniker. "Wir sammeln und vergleichen Daten, die die Länder und Kommunen erheben", so Irmer. Das zur Abteilung gehörende Labor für Wasseranalytik arbeitet an der Qualitätssicherung, der Weiterentwicklung von Methoden und Festlegung von Standards.

Diese Gewässergüte-Standards zu entwickeln, ist ein langer und komplizierter Prozess. Grundlage sind internationale Vereinbarungen und wissenschaftliche Erkenntnisse. "Die Wissenschaft steht aber natürlich nicht still", so Irmer. So könne man etwa zu einer neuen Einschätzung gelangen, ab welcher Konzentration ein Stoff gefährlich ist. Im Rahmen von Anhörungen werden auch die Umweltverbände und die Industrie an dem Prozess beteiligt. Während früher die Güte der Gewässer vor allem an Hand chemischer und physikalischer Parameter bewertet wurde, spielt heutzutage auch die Struktur der Gewässer eine große Rolle. Das heißt, die Frage, ob ein Fluss noch seinen natürlichen Lauf hat oder zum Beispiel begradigt und einbetoniert worden ist. "Was die stoffliche Belastung betrifft, kann sich ein Gewässer sehr gut regenerieren", erläutert Irmer. Einen verbauten Fluss zu renaturieren, sei dagegen enorm aufwändig.

Wie es um die Gewässer in Deutschland bestellt ist, lässt sich den regelmäßig erstellten Gewässergüte-Karten entnehmen. "Für die Bürger ist das sehr anschaulich", sagt Rechenberg. So sind auf der Struktur-Karte die komplett verbauten Flüsse Rot gekennzeichnet, die mit einer nur mäßig veränderten Struktur Grün. Und während der Westen von Rot nur so strotzt, fällt im Osten deutlich mehr Grün auf. Das bedeutet, dass hier viele Flüsse noch weitgehend natürliche Strukturen haben.
Wenn es nach den Uba-Leuten geht, soll das auch so bleiben. "Wir sind gegen den Ausbau der Elbe", unterstreicht Irmer. Kein großer Fluss in Deutschland zeigt auf der Struktur-Karte so viel Grün wie die Elbe. Zum einen gebe es keinen ökonomischen Bedarf für den Ausbau, da die Prognosen zum Transport eher auf einen weiteren Rückgang hindeuten. Außerdem sei die Binnenschifffahrt "gar nicht so ökologisch wie es oft dargestellt wird, wenn man etwa an die Abgase der veralteten Motoren oder die Lärmbelästigung denkt".

Ein weiterer wichtiger Bereich in der Abteilung Wasser ist das Fachgebiet Meeresschutz. In Meeren gibt es ein besonderes Problem, wie Irmer erklärt: "Sie regenerieren sich nicht wie die Flüsse. Die Schadstoffe sammeln sich in Senken, so dass die Belastung lange bleibt." Um Meere zu schützen, muss man deshalb dafür sorgen, dass die Schadstoffe gar nicht erst in die Umwelt gelangen.
Das Fachgebiet Stoffhaushalt befasst sich zum Beispiel mit der Frage, wie Nährstoffe und Pestizide aus der Landwirtschaft in die Gewässer eingetragen werden. Ziel ist, Strategien zur Verminderung dieses Stoffeintrags zu entwickeln.

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