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Potsdamer Studie lässt Zunahme von Niedrigwasser in deutschem Flussabschnitt erwarten / Öko-Verbände fordern Neubewertung
Von Steffen Schmidt
Seit der deutschen Wiedervereinigung gibt es Streit um einen Ausbau der Elbe als Verkehrsweg. Eine am Montag in Berlin vorgestellte Studie des Potsdam Institutes für Klimafolgenforschung (PIK) lässt allerdings daran zweifeln, ob das Ziel der ganzjährigen Befahrbarkeit überhaupt realisierbar ist.
Der lange Elbabschnitt, der über 40 Jahre die Grenze zwischen DDR und BRD darstellte, ist – gewissermaßen von allein – renaturiert worden. Die Verkehrswegeplanung nach der Wiedervereinigung hatte allerdings nicht allein das Ziel, in diesem Abschnitt wieder den Vorkriegszustand herzustellen. Anfangs gab es zudem Pläne sowohl an der Elbe als auch an der Saale, mit dem Neubau von Staustufen und einem kanalartigen Ausbau die ganzjährige Befahrbarkeit auch für größere Containerschiffe zu ermöglichen.
Der Zusammenbruch weiter Teile der ostdeutschen Industrie verringerte allerdings den Schiffsverkehr so stark, dass die heute nur noch 1,5 Millionen Tonnen problemlos auch per Bahn transportiert werden könnten, wie Ernst Dörfler vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bei der Vorstellung der Studie sagte. Diese war von BUND, WWF und der Deutschen Umwelthilfe in Auftrag gegeben worden.
Zentrale Aussage der Studie ist, dass die Elbe im Schnitt der letzten 50 Jahre immer weniger Wasser führt. Anderslautende Angaben einer früheren Studie der Bundesanstalt für Gewässerkunde im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums hätten den Einfluss der Talsperrenbauten aus den 1950er Jahren und den Zufluss von Grubenwasser aus Braunkohletagebauen seit 1930 ignoriert, sagte Studienleiter Frank Wechsung vom PIK. Die Planungen für den Ausbau, der ganzjährig eine Fahrrinne von mindestens 1,60 Meter Tiefe garantieren soll, beruhten auf den Messdaten des ungewöhnlich nassen Zeitraums von 1973 bis 1986.
Die PIK-Forscher hatten die Pegelstände zwischen Dresden und Magdeburg während des letzten Jahrhunderts untersucht und in den letzten beiden Jahrzehnten eine zunehmende Häufigkeit von Niedrigwasserperioden festgestellt. Die für die Schifffahrt notwendige Fahrrinnentiefe von 1,60 Meter zwischen Dresden und Geesthacht sowie 1,50 Meter zwischen Dresden und Schmilka wurde vielfach nicht erreicht. So wurden diese Werte in den Jahren 1991, 1992, 2000 und 2003 an vier bis sechs Monaten unterschritten. Diese Situation dürfte sich noch verschärfen. Die neue Studie zeigt, dass die Sommerniederschläge in den vergangenen drei Jahrzehnten im Vergleich zur Periode 1951-1980 stark abgenommen haben. Gleichzeitig stiegen, während der vergangenen 50 Jahre die Jahresmitteltemperaturen im deutschen Teilgebiet um ca. ein Grad Celsius. Infolge der Erwärmung nehme auch die winterliche Wasserspeicherung in Form von Schnee und Eis ab. Zudem verdunste mehr Oberflächenwasser, das dann wieder den Flüssen fehle. »Wenn diese Trends andauern, müssen wir mit häufigerem und extremerem Niedrigwasser an der mittleren Elbe rechnen«, prognostiziert PIK-Forscher Wechsung. Selbst mit der Annahme eines kontinuierlichen Zubaus von Talsperren wie seit den 1950er Jahren würden nicht ganzjährig die gewünschten Wassertiefen erreicht.
Für die Umweltverbände ist die Schlussfolgerung klar. Unter diesen Umständen sei es ökonomisch unsinnig, noch weitere Millionen in den Flussausbau zu versenken, meint Elbexperte Dörfler. Zudem wären bei einer weiteren Verfolgung dieser Pläne Konflikte mit der EU vorprogrammiert, da großflächige Auen-Schutzgebiete an der mittleren Elbe in Mittleidenschaft gezogen würden. Allein 50 000 Hektar davon sind nach Angaben von WWF-Sprecher Georg Rast Natura-2000-Schutzgebiete, bei denen die EU ein Wort mitzureden hat. Bereits die seit Jahren laufende Wiederherstellung der Buhnen im ehemaligen Grenzgebiet habe negative Folgen für die angrenzenden Biotope.
WWF, BUND und Deutsche Umwelthilfe fordern die Bundesregierung auf, die Unterhaltungs- und Ausbaupläne an der Elbe aufzugeben. Unabhängige Gutachten über Transportprognosen, Klimatrends und Wasserstände sollten als Planungsgrundlage dienen zu einem zukunftsfähigen Umgang mit der Elbe. Anstatt den Fluss für die Güterschifffahrt auszubauen, müssten geplante Maßnahmen zur Bekämpfung der Erosion dringend in die Tat umgesetzt werden.
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