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Klimaforscher: Ausbau für Schiffe sinnlos
Märkische Allgemeine Zeitung | 17.01.2006
Potsdam/Berlin: Die Elbe führt immer weniger Wasser. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), die gestern in Berlin vorgestellt wurde. Als Hauptgründe für das permanente Niedrigwasser nannte Klimaforscher Frank Wechsung die Klimaerwärmung um etwa ein Grad Celsius in den vergangenen 50 Jahren, den Rückgang der Schneesicherheit in den Mittelgebirgen, den vorgezogenen Beginn der Vegetationsperiode und sinkende Niederschläge.Die Schifffahrt auf dem Fluss werde immer schwieriger werden, weil das Niedrigwasser künftig auch nicht mehr durch Wasser aus dem Braunkohletagebau aufgefüllt werden könne, so Wechsung. Die im Auftrag des World Wide Fund for Nature (WWF), dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Deutschen Umwelthilfe erstellte Studie untersuchte Klimatrends im Einzugsgebiet der Elbe über 100 Jahre hinweg. Die Umweltverbände appellierten angesichts der Ergebnisse der Studie an Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), die Pläne, die Elbe als ganzjährig befahrbare Wasserstraße auszubauen, aufzugeben. Der Elbe-Experte des BUND, Ernst Paul Dörfler, sagte, der Fluss habe in den vergangenen 15 Jahren nur im Jahr 1996 ganzjährig die für die Güterschifffahrt notwendige Tiefe von 1,60 Meter erreicht. Das Transportaufkommen auf der Elbe sei auf 1,5 Millionen Tonnen zurückgegangen - eine Menge, die auf zwei Güterzüge verteilt werden könnte.Die Bundesregierung hat in ihrer Koalitionsvereinbarung festgeschrieben, die landseitige Anbindung der deutschen Seehäfen zu verbessern. Dazu gehört, den Containertransport vom Hamburger Hafen über die Elbe ins Binnenland zu ermöglichen. Nach Ansicht der Potsdamer Klimaforscher geht der Bund dabei aber von falschen Planungsvoraussetzungen aus. Um Containerschifffahrt auf der Elbe zu ermöglichen, müsste die Elbe weit tiefer ausgebaut werden als bisher veranschlagt. Grundlage der Ausbaupläne seien Erhebungen bis in das Jahr 1983. Zwischen Mitte der 70-er und Mitte der 80-er Jahre habe der Fluss aber eine relativ feuchte Phase gehabt, so Wechsung.Unabhängig davon ist die Anbindung Ostdeutschlands für Binnenschiffe seit 1990 kontinuierlich ausgebaut worden. So wurde 2003 das Wasserstraßenkreuz bei Magdeburg eröffnet, dass es Schiffen ermöglicht, vom Mittellandkanal aus in Richtung Berlin zu gelangen, ohne die Elbe benutzen zu müssen. Seitdem sind deutlich mehr Schiffe in West-Ost-Richtung unterwegs. Auf einigen Abschnitten der Oder-Havel-Wasserstraße wurde 2005 ein Plus von 20 Prozent verzeichnet. epd/MAZ
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